Politik

Neues Gesundheits-Gesetz geplant Kommt man bald schneller an Arzttermine?

116183176.jpg

Die Mindestzahl an wöchentlichen Sprechstunden von Ärzten soll von 20 auf 25 erhöht werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die gesetzlich Versicherten kennen das leidige Problem zur Genüge: Oft müssen sie monatelang warten, bis sie einen Facharzttermin bekommen. Durch ein Gesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn von der CDU, das der Bundestag am Donnerstag beschließen will, soll sich das jetzt ändern.

Was ändert sich bei Sprechstunden der Ärzte?

Die Mindestzahl an wöchentlichen Sprechstunden wird von 20 auf 25 erhöht. Bestimmte Fachärzte - wie etwa Frauen- oder HNO-Ärzte - sollen fünf Stunden pro Woche anbieten müssen, die Versicherte ohne vorherige Terminvereinbarung in Anspruch nehmen können.

Welche Zusatzleistungen erhalten Ärzte?

Wenn ein Hausarzt seinem Patienten einen dringenden Facharzttermin vermittelt, bekommt er dafür einen Zuschuss von mindestens zehn Euro. Der behandelnde Facharzt bekommt eine Vergütung außerhalb seines Budgets. Dasselbe gilt für Leistungen, die in den offenen Sprechstundenzeiten erbracht werden sowie bei Patienten, die der Arzt von einer Terminservicestelle vermittelt bekommen hat.

Bei Vermittlung durch eine Terminservicestelle kommen die Mediziner zusätzlich in den Genuss eines nach Wartezeiten gestaffelten Zuschlags. Ein Plus von 50 Prozent auf die Versichertenpauschale wird fällig, wenn der Termin innerhalb einer Woche zustande kommt. Für eine Behandlung in der zweiten Woche soll es einen Aufschlag von 30 Prozent geben. In der dritten und vierten Woche sind es 20 Prozent.

Wie werden die Terminservicestellen künftig aussehen?

Die seit 2016 existierenden Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen sollen künftig rund um die Uhr erreichbar sein per Telefon über die Nummer 116117. Es soll zudem einen Online-Service geben, auch per App. Die Stellen sollen auch Termine zu Haus- und Kinderärzten vermitteln.

Welche Verbesserungen sieht das Gesetz sonst noch vor?

Versorgung in ländlichen Regionen:

Wenn es in einer bestimmten Region nicht genügend Arztpraxen gibt, sollen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen etwas einfallen lassen, um die gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten. Das Gesetz sieht mobile Einrichtungen wie Arztbusse oder digitale Sprechstunden vor.

Zahnersatz:

Die Festzuschüsse für Zahnersatz werden ab dem 1. Januar 2020 von bisher 50 Prozent auf 60 Prozent erhöht.

Elektronische Patientenakte:

Mit Smartphone oder Tablet sollen die Versicherten künftig auf ihre elektronische Patientenakte zugreifen können. Diesen Service sollen die Kassen spätestens 2021 anbieten müssen.

Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen:

Den bisherigen "Gelben Schein" sollen die Ärzte ab 2021 nur noch digital an die Krankenkassen übermitteln.

HIV-Infektionen:

Die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (Prep) wird zur Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Dabei wird vor und nach sexuellen Kontakten ein Medikament eingenommen, um sich vor einer Ansteckung mit HIV zu schützen. Prep kostet rund 50 Euro im Monat. Das Bundesgesundheitsministerium schätzt, dass rund 10.000 Menschen Prep in Anspruch nehmen werden.

Junge Krebspatienten:

Nach dem Willen des Ministers sollen Krankenkassen die Kosten für die Konservierung von Ei- und Samenzellen junger Krebskranker mit Kinderwunsch übernehmen. Rund 15.000 junge Menschen zwischen 18 und 39 Jahren erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Ihnen droht durch die Tumore oder die Therapie die Unfruchtbarkeit.

Hebammen:

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird beauftragt, im Internet ein Suchverzeichnis zu Hebammen und deren jeweiligen Leistungen zu erstellen.

Pflege:

Pflegebedürftige sollen auf Kosten der Kassen auch die Angebote reiner Betreuungsdienste in Anspruch nehmen können, die zum Beispiel im Haushalt helfen, einkaufen oder vorlesen. Bislang übernehmen die Kassen die Kosten nur für Leistungen, die von Pflegediensten erbracht werden.

Impfstoffe:

Den Patienten sollen künftig die Impfstoffe aller Hersteller zur Verfügung stehen. Den Ausschluss bestimmter Lieferanten durch Verträge soll es künftig nicht mehr geben.

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, hny/AFP

Mehr zum Thema