Politik

Debatte um Schulöffnungen Kretschmann keilt gegen Kritiker

bccfb2ff07218798f2028c7685d0088e.jpg

Sieht keine "Schurken am Werk": Winfried Kretschmann.

(Foto: dpa)

Baden-Württembergs Ministerpräsident wiegt bei Kindern und Jugendlichen "mit der Goldwaage". Daher prescht sein Land vor und öffnet Kitas und Grundschulen früher als andere. Kritik an dem Vorgehen wiegelt der Grünen-Politiker ab. Er bekommt bei seinen Plänen Druck vom Koalitionspartner.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt kein Verständnis für die Kritik, dass einzelne Bundesländer gemeinsam vereinbarte Corona-Regeln im Detail immer wieder anders auslegen. In den meisten und wichtigsten Fragen seien die Ministerpräsidentenkonferenz und Kanzlerin Angela Merkel stets zusammengeblieben, sagte er in der ZDF-Sendung "Markus Lanz". "Es waren immer ganz kleine Abweichungen - ich weiß nicht, warum man das so aufbauscht."

Man müsse nicht bei jeder "kleinen Abweichung" so tun, "als seien da Schurken am Werk, das ist nicht der Fall", beklagte Kretschmann. In diesem Zusammenhang verteidigte der einzige Grünen-Länderchef auch seine Strategie, Kitas und Grundschulen im Land vom kommenden Montag an schrittweise wieder öffnen zu wollen. Die endgültige Entscheidung hat er für den heutigen Mittwoch angekündigt. Viele andere Länder sind bei der Wiedereröffnung von Kitas und Grundschulen bislang deutlich zurückhaltender.

Kretschmann sagte, zwar könne in der Pandemie nicht jede Interessensgruppe eine Extrawurst verlangen. "Aber bei den Kindern, bei den Kleinsten, da wiege ich mit der Goldwaage." Das hätten die Kinder verdient, und die pandemische Lage gebe das her. "Bei den Kleinen wiegt man mit der Goldwaage, bei den anderen mit der Viehwaage."

*Datenschutz

Wenn der Plan seiner Regierung umgesetzt wird, soll weiterhin keine Präsenzpflicht bestehen. Klassen und Gruppen sollen geteilt und voneinander getrennt werden. Lehrer und Erzieher sollen hochwertige Sicherheitsmasken erhalten. Die Regierung stützt sich bei dieser Entscheidung auf Untersuchungen der Universitätskliniken in Tübingen, Ulm und Freiburg, die ergaben, dass Kinder unter zehn Jahren wenig zum Infektionsgeschehen beitragen und auch seltener erkranken.

Kultusministerin setzt sich vehement für Schulöffnung ein

Kretschmann sagte am Dienstag vor Journalisten, er haben noch einmal alle vorhandenen Studien zu dieser Frage wissenschaftlich überprüfen lassen und sei zum selben Ergebnis gekommen. In den Faschingsferien, wenn die Schulen geschlossen bleiben, sollen die Maßnahmen evaluiert werden. Zuletzt hatte der Berliner Virologe Christian Drosten, der auch die Bundesregierung berät, Zweifel an der Erkenntnis der Studien geäußert.

Die Stuttgarter Regierung führt die Verbesserung der Landesinzidenz auf 86,6 auf die nächtliche Ausgangssperre zurück, die in Baden-Württemberg seit Dezember gilt. "Dies hat ganz wesentlich zur Verringerung der Mobilität beigetragen", sagte Landessozialminister Manfred Lucha.

Zuletzt hatte sich Kultusministerin Susanne Eisenmann vehement für eine Wiedereröffnung der Schulen und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht ausgesprochen. Nach dem ersten Lockdown sei es Konsens gewesen, Kitas und Schulen nie mehr zu schließen. Nun seien die Schulen wieder geschlossen. "Da frage ich mich, ob ich nicht noch mehr Druck für geöffnete Schulen hätte machen müssen", sagte sie der Wochenzeitung "Die Zeit". Sie finde den Kurs von Bundeskanzlerin Merkel in der Pandemie grundsätzlich sehr gut, habe allerdings "eine andere Meinung dazu, ob man alle Schulen pauschal schließen" sollte. Es müsse verhindert werden, dass die junge Generation für die Schulschließungen büßen müsse.

Die Christdemokratin spricht sich auch dafür aus, Lehrer und Erzieher früher zu impfen. "Für mich spricht einiges dafür, dass Lehrerinnen und Lehrer schneller geimpft werden, als die Pläne es derzeit vorsehen." Dies gelte gleichermaßen für Erzieherinnen und Erzieher. Am 14. März wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Eisenmann tritt als CDU-Spitzenkandidatin gegen Ministerpräsident Kretschmann an.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP