Politik

Union zunehmend unter Druck Laschet räumt Plagiat in früherem Buch ein

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Laschet unter Druck: Nun hat er seine eigene Plagiatsaffäre.

(Foto: dpa)

Für Armin Laschet läuft es derzeit nicht rund. In Umfragen verliert der Kanzlerkandidat an Vertrauen, nun holt ihn auch noch ein Plagiat aus einem früheren Buch ein. Vor allem die CSU wird ungeduldig - und fordert einen besseren Wahlkampf.

Die Union und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet stehen zunehmend unter Druck. Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl am 26. September verlieren CDU und CSU laut Umfragen wieder an Zustimmung und auch das Vertrauen in Laschet selbst ist angeschlagen. Doch es kommt noch dicker: Der CDU-Chef muss nun auch noch einräumen, bei einem früheren Buch abgeschrieben zu haben.

Nach Angaben des Beraters und Autors Karsten Weitzenegger hat ihn der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder auf die Übernahme von Textteilen aufmerksam gemacht. Bisher geht es um eine Stelle in einem Buch von Weitzenegger aus dem Jahr 2008. Laschet soll daraus für sein Buch "Die Aufsteigerrepublik: Zuwanderung als Chance", das 2009 erschien, eine Passage nahezu wortwörtlich übernommen haben, wie ein Tweet Weitzeneggers nahelegt.

Laschet räumte den Fehler ein und entschuldigte sich: "Mindestens ein Urheber des im Buch verwendeten Materials wird weder im Fließtext noch im Quellenverzeichnis genannt", teilte der CDU-Chef mit. "Um zu klären, ob es weitere Fehler gibt, werde ich unverzüglich die Prüfung des Buchs veranlassen." Es gebe in dem Buch offenkundig Fehler, die er verantworte, sagte er weiter. "Dafür möchte ich ausdrücklich um Entschuldigung bitten, denn sorgfältiges Arbeiten beim Verfassen von Werken und die Achtung des Urheberrechts sind für mich auch eine Frage des Respekts vor anderen Autoren."

Für Laschet könnte die Aufdeckung zum Debakel werden. Nicht nur weil weitere abgeschriebene Stellen ans Tageslicht kommen könnten, sondern auch weil nun Vergleiche mit Grünen-Chefin Baerbock gezogen werden dürften. Diese hatte in ihrem im Frühjahr erschienenen Buch "Jetzt" aus anderen Quellen abgeschrieben, ohne dies kenntlich zu machen. Sie erntete dafür scharfe Kritik und verlor massiv an Zustimmung, auch die Grünen verloren in den Umfragen an Boden. Der Druck auf Laschet und die Union könnte also noch zunehmen.

Die CSU wird unruhig

Dabei läuft es ohnehin schon nicht gut für die Union. Nachdem die beiden Parteien bereits im RTL/ntv-Trendbarometer Punkte abgegeben haben, verlieren sie nun auch im Politbarometer des ZDF. Gerade die CSU wird zunehmend unruhig - und fordert mehr Engagement im Wahlkampf.

In der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen verlieren CDU/CSU zwei Prozentpunkte und stehen bei 28 Prozent Zustimmung. Grüne und SPD dagegen gewinnen jeweils einen Punkt hinzu und kommen nun auf 21 beziehungsweise 16 Prozent. Die AfD erreicht bei einem Punkt Zugewinn 11 Prozent, die FDP steht unverändert bei 10 Prozent, die Linke wie in der Vorwoche bei 7 Prozent. Möglich wären bei diesen Werten sowohl eine schwarz-grüne Bundesregierung, als auch eine sogenannte Deutschland-Koalition aus Union, SPD und FDP sowie ein Bündnis aus Grünen, SPD und FDP.

Doch auch Unions-Kanzlerkandidat Laschet selbst verliert an Zustimmung. Bei der - rein theoretischen - Frage nach der Direktwahl eines Kanzlerkandidaten stürzt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen um acht Punkte auf 29 Prozent ab. Führender ist nun der SPD-Kanzlerkandidat, Finanzminister Olaf Scholz. Er legt um sechs Punkte zu und kommt auf 34 Prozent. Leicht zulegen kann die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die sich um zwei Punkte auf 20 Prozent verbessert. Auch im jüngsten RTL/ntv-Trendbarometer war Laschet abgestürzt - um sechs Punkte auf 17 Prozent. Baerbock (19 Prozent) und Scholz (18 Prozent) hatten dagegen jeweils um zwei Punkte zugelegt.

Kritik aus der CSU wächst

Verantwortlich für diesen Einbruch dürfte auch Laschets Agieren in der Flutkatastrophe der vergangenen Wochen sein. Sein Lachen während eines gemeinsamen Auftritts mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte massive Kritik ausgelöst. Doch auch Laschets vage Äußerungen zu seiner künftigen Politik sorgen zunehmend für Kopfschütteln.

Die Unruhe bei der Union jedenfalls wächst - und löst bereits Kritik an der Strategie aus. "Der Wahlkampf braucht zusätzliche Dynamik", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der "Augsburger Allgemeinen". "Die Umfragen zeigen, dass wir noch erheblich Luft nach oben haben." Die Sticheleien aus der Schwesterpartei der CDU nehmen damit wieder zu.

Dafür sorgt auch CSU-Chef Markus Söder, der Laschet im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union unterlegen war. Er warnte kürzlich nicht nur vor einem "Schlafwagen"-Wahlkampf - ohne Laschet beim Namen zu nennen. Der bayerische Ministerpräsident stellte auch ein Programm der CSU vor, das das gemeinsame Wahlprogramm mit der CDU eigentlich ergänzen soll. Im CSU-Papier finden sich allerdings etliche Punkte, denen die CDU kritisch gegenübersteht, was vielfach als Spitze gegen den gemeinsamen Kandidaten aufgefasst wurde.

Die "Gefahr einer Ampel"

Nun warnt Söder bereits lautstark vor einer Bundesregierung ohne Union. Nachdem dies mehrere Wochen lang laut Umfragen nicht möglich war, wird dieses Szenario inzwischen wieder wahrscheinlicher. "Es ist längst nicht selbstverständlich, dass wir als Union die Regierung bilden und das Kanzleramt verteidigen können", sagte er dem "Spiegel". Konkret nannte er "die Gefahr einer Ampel" aus Grünen, SPD und FDP.

Der CSU-Chef forderte daher, "in den nächsten Wochen noch besser klarzumachen, wofür die Union steht". CDU und CSU müssten jetzt "klare Kante zeigen", sonst bestehe die Gefahr, "dass wir den Erfolg am Ende verspielen". Auch mit Kritik am "bisher seltsamen Wahlkampf" sparte Söder nicht. Dieser habe sich um Nebensächlichkeiten gedreht. "Wir müssen endlich das, um was es geht, ins Zentrum rücken: die Zukunft Deutschlands und Europas in den nächsten Jahren", so Söder.

Einen direkten Angriff auf Laschet vermied Söder: "Armin Laschet ist ein sehr guter Kanzlerkandidat", sagte der CSU-Chef, er habe "meine persönliche Rückendeckung". Gleichzeitig sei er aber als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen derzeit mit der Bewältigung der Flutkatastrophe beschäftigt. "Aber wir müssen bald auch wieder die Kraft finden, über wichtige nationale und internationale Herausforderungen zu sprechen", so Söder.

Quelle: ntv.de

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