Politik

Klare Erfolge an der Ostküste Lehren aus Clintons und Trumps Siegen

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Mit so einem Erfolg hatte der stets groß denkende Trump nicht gerechnet. Umgeben von seiner Familie und Chris Christie (l.), dem Gouverneur von New Jersey, feierte er sich für seinen fünffachen Sieg im Trump Tower in Manhattan.

(Foto: REUTERS)

Die Favoriten im US-Vorwahlkampf siegen weiter - Trump gewinnt fünf Ostküstenstaaten, Clinton vier. Beide sind nun kaum noch einzuholen und rufen bereits vorsichtig das Ende des Vorwahlkampfes aus. Was heißt das nun?

Trump überstrahlt sie alle

Donald Trump hat bereits viele Wahlen im US-Vorwahlkampf gewonnen - sein Erfolg in der vergangenen Nacht übertraf jedoch noch einmal vieles bisher Dagewesene. In allen fünf Staaten siegte er haushoch mit rund 60 Prozent der Stimmen und degradierte seine Konkurrenten zu Statisten. Der Senator von Texas, Ted Cruz, und der Gouverneur von Ohio, John Kasich, hatten nicht den Hauch einer Chance gegen den populistischen Milliardär, der bereits vergangene Woche den Bundesstaat New York ähnlich überwältigend gewann. Als er am Abend nach seinen Siegen in Pennsylvania, Connecticut, Rhode Island, Delaware und Maryland vor die Kameras trat, hatte er eine klare Botschaft: "Ich betrachte mich als den wahrscheinlichen Kandidaten der Republikaner." Cruz hätte keine Aussichten mehr zu gewinnen, Kasich sowieso nicht. Beide haben bislang zusammen gut 200 Delegierte weniger gesammelt als der New Yorker. Trump muss 1237 Delegierte gewinnen, um die Nominierung der Republikaner zu erhalten. Diesem Ziel ist er nun einen bedeutetenden Schritt näher gekommen.

Clinton wird die Kandidatin

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"Love trumps hate" - Hillary Clinton attackierte Donald Trump bereits in der Wahlnacht.

(Foto: dpa)

Während ihrer Rede in Philadelphia strahlte Hillary Clinton wieder einmal. Mit heiserer Stimme bedankte sie sich bei all ihren Unterstützern - und nicht nur bei denen. Auch ihrem Rivalen Bernie Sanders sprach sie ihren Dank für seine Beiträge im Wahlkampf aus. Ein untrügliches Zeichen, dass sie den Senator aus Vermont nun nicht mehr als ernsthaften Konkurrenten sieht. Das war er zwar schon nach seiner Niederlage in New York nicht mehr, doch nun baute Clinton ihren Vorsprung sogar noch aus. Ihr Wahlkampfteam hatte Pennsylvania noch größere Bedeutung als New York zugemessen und dürfte sich nun Zentimeter vorm Ziel wähnen. Zu Recht. Die Wahl in Kalifornien mit mehr als 500 Delegierten steht zwar noch aus - doch auch dort hat die 68-Jährige gute Chancen.

Das Duell "The Donald vs. Hillary" ist eröffnet

Allerspätestens seit diesen fünf Wahlen ist klar: Cruz, Kasich und Sanders sind so gut wie raus. Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump eröffneten am Abend bereits den Hauptwahlkampf. Clinton attackierte den Favoriten der Republikaner mit dem Slogan "Love trumps hate", (Liebe übertrumpft Hass) und präsentierte sich als das Gegenstück zu Trump nach dem Motto "Versöhnen statt spalten". Dieser attackierte die einstige Außenministerin noch wesentlich schärfer. "Hillary hat nichts anderes zu bieten, als dass sie eine Frau ist", behauptete er. "Wenn sie ein Mann wäre, würde sie keine fünf Prozent bekommen!" Wie schon zuvor beschimpfte er sie als "Crooked Hillary", also die "betrügerische Hillary". Und: Sie sei sicher leichter zu schlagen als die meisten seiner republikanischen Konkurrenten.

Kasich und Cruz sind nur noch Außenseiter

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Wie reagiert Bernie Sanders auf seine erneute Niederlage?

(Foto: AP)

Klar, die Sache ist noch nicht gelaufen. Kasich und Cruz können sich weiterhin an den Strohhalm einer "Contested Convention" klammern - das ist ihre letzte Chance, Trump die Nominierung noch streitig zu machen. Gewinnt Trump diese auf dem Parteitag in drei Monaten nicht im ersten Wahlgang, sind die Wahlergebnisse aus dem Vorwahlkampf hinfällig. Die Delegierten dürfen dann weitgehend frei entscheiden, welcher Kandidat gegen die Demokraten antreten soll. Trump attackierte diese Regeln in der Wahlnacht wie erwartet. Man könne ihm nicht die Nominierung abnehmen, nur weil er einige Delegierte zu wenig habe, schimpfte er. Derjenige mit den meisten Stimmen müsse Präsidentschaftskandidat werden. Doch dass es tatsächlich zu so einer "Contested Convention" kommt, ist nach seinen Erdrutschsiegen der vergangenen Nacht wieder deutlich unwahrscheinlicher geworden. Selbst wenn Cruz oder Kasich es doch noch schafften, die Nominierung auf dem Parteitag zu erobern - ein fader Beigeschmack bliebe. Sie stünden weiterhin im Schatten von Trump.

Sanders muss sich entscheiden

Was nun, Bernie? Der 74-jährige Star der Erstwähler und Studenten muss sich nun entscheiden, wie er seinen Wahlkampf zu Ende bringen will. Er will auf keinen Fall aufgeben, das hatte er vor dem Urnengang deutlich gemacht. Sein Wahlkampfteam hatte aber ebenso angekündigt, dass man sich an diesem Mittwoch zusammensetzen wolle, um die Strategie zu überdenken. Er hat zwei Optionen: Entweder er macht weiter wie bisher und attackiert Clinton so scharf wie es geht. Oder er stimmt wieder einen versöhnlicheren Ton an, wie zu Beginn des Wahlkampfes. Damit würde er die wahrscheinliche Kandidatin nicht beschädigen. Trump forderte ihn in der Wahlnacht auf, sich als unabhängiger Kandidat für das Präsidentenamt zu bewerben. Das hätte für den Republikaner den unschätzbaren Vorteil, dass der Stimmenanteil der Demokraten zersplittert würde. Deswegen dürfte Sanders davon Abstand nehmen. Der Senator hat so schon viel erreicht: Er hat viele junge Leute politisiert und die Themen des Wahlkampfes mit gesetzt. Ob ihm das genügt, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.

Trump hebt sich das Präsidentielle für später auf

Zunächst wirkten Trumps Worte gesetzt, als er seine Ansprache zu seinen Wahlsiegen hielt. Er bedankte sich sogar bei den Medien, die in den vergangenen Wochen fair über ihn berichtet hätten. Manch ein Beobachter horchte auf: Würde Trump sich nun staatsmännischer geben? Es schien fast so. Er nannte seinen Konkurrenten Cruz nicht einmal "Lügen-Ted" und ließ den Zusatz weg, dass Mexiko die von ihm geplante Mauer an der Grenze zu den USA bezahlen werde. "Ich fühle mich so geehrt, das war die größte Nacht", sagte er. Doch als er schließlich Fragen der Journalisten zuließ, lief er wieder heiß. Seine Attacken auf Clinton waren alles andere als staatsmännisch, zudem kündigte er an, sich nicht zu verändern. Schließlich sei er mit seinem bisherigen Auftreten so weit gekommen. Der Stilwechsel soll erst später kommen: Er werde das Land als Präsident mit Würde vertreten, versprach er.

Quelle: n-tv.de

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