Neue Details zu DrohnenvorfallLeipzig entkam offenbar nur knapp einem Anschlag

Eine Sprengstoff-Drohne sorgt in der vergangenen Woche für einen Großeinsatz am Flughafen Leipzig/Halle. Nun werden neue Details zu dem genauen Ablauf des Vorfalls bekannt. Der Verdacht eines gezielten Angriffes erhärtet sich zunehmend.
Die bei dem mutmaßlichen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Drohne ist einem Medienbericht zufolge gezielt gegen ein ukrainisches Frachtflugzeug geflogen und auf dessen Tragfläche geprallt. Der mit dem Sprengstoff Semtex bestückte Flugkörper sei aber nicht explodiert, sondern anschließend zu Boden gefallen, berichtete die "Zeit" unter Berufung auf Aufnahmen von Überwachungskameras. Spuren an einem Flügel der Antonow-Maschine bestätigten den Ablauf. Zudem habe sich der Vorfall bereits um 19:30 Uhr ereignet.
Warum der Sprengsatz nicht gezündet habe, sei unklar. Der Sprengstoff sei nicht an der Drohne selbst vorgefunden worden, sondern in einiger Entfernung. Dieser habe sich möglicherweise beim Aufprall abgelöst.
Zuvor hieß es, die Drohne sei in der Nacht zum Mittwoch in der Nähe des ukrainischen Transportflugzeugs entdeckt und von einem Mitarbeiter des Flughafens mit einem Fußtritt zum Absturz gebracht worden. Wie die Videoaufnahmen dem Bericht zufolge nun zeigen, lag die Drohne bereits auf dem Boden, als der Busfahrer darauf aufmerksam wurde, seinen Fuß darauf stellte und das Sicherheitspersonal verständigte. Damit würden bisherige Darstellungen korrigiert, so die "Zeit".
Nicht nur Warnung, sondern Angriff?
Auch der Militärexperte Carlo Masala machte auf der Plattform X auf die neuen Erkenntnisse aufmerksam. "Bislang war eine der Ermittlungshypothesen, dass sie lediglich als eine Art Warnung gemeint gewesen sein könnte. Bewaffnet ja, aber nicht dafür gedacht, tatsächlich zu explodieren. Diese Hypothese lässt sich nun kaum mehr halten", zitiert er aus dem Bericht.
Die Bundesanwaltschaft wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. "Die Ermittlungen dauern an", sagte eine Sprecherin. Die oberste Anklagebehörde hatte die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falls übernommen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte von einem "hybriden Anschlagsszenario" gesprochen und "fremde Mächte" als Urheber nicht ausgeschlossen.
Der Vorfall löste eine Debatte über die Drohnenabwehr an kritischer Infrastruktur aus. Als Reaktion will Dobrindt einem "Bild"-Bericht zufolge die Anti-Drohnen-Einheiten bei der Bundespolizei verdoppeln.