"Wusste nicht, wer das ist"Linken-Abgeordneter Kocak erklärt Chat mit Sohn von Clanchef Remmo

Auf der Wahlparty der Linken in Neukölln erscheint ein Clan-Chef, der angeblich nicht eingeladen war. Nun muss der Bundestagsabgeordnete Kocak erläutern, warum er mit dessen Sohn vertraute Chatnachrichten tauschte. Die Darstellung überzeugt nicht jeden in der Partei.
Nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin unter Spitzenkandidatin Elif Eralp geht der Streit um Kontakte der Partei zum Berliner Clanmilieu in die nächste Runde. Bei der Wahlparty der Linken im Bezirk Neukölln war am Wahlabend Clanchef Issa Remmo erschienen. Die Linke in Berlin-Neukölln betonte anschließend, dass es weder politische noch persönliche Beziehungen zu der Person gebe. "Uns war die Person und ihre Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt. Sie steht nicht auf unserer Anmeldeliste."
Allerdings veröffentlichte Remmos Sohn Firas Remmo etwa zeitglich einen Chat-Auszug, der auf engere Kontakte zum Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak hinweist. Auf dem Screenshot war zu lesen, wie Kocak "Grüße mit Respekt an deinen Vater" ausrichtet, eben den angeblich zur Wahlparty nicht eingeladenen Issa Remmo. Außerdem bat Kocak den Sohn, ein Video von ihm zu verbreiten. "Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen, bitte", schrieb er. Der antwortete mit "Gerne, Bruder." Zu dem Screenshot postete Remmo eine politische Botschaft: "Wir sind Teil von etwas Großem. Wir stehen zusammen, wir halten zusammen und wir kämpfen für unsere Ziele. Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team."
"Ich bitte um Entschuldigung"
Am Abend äußerte sich Kocak erstmals selbst und versuchte, dem verheerenden Eindruck entgegenzuwirken. Auf der Plattform X schrieb er: "Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert. Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen".
Dann wiederholte er die Linie der Parteiführung und bestritt, er habe den Sohn Remmos sogleich zuordnen können. Zu dem Chatkontakt soll es demnach ganz beiläufig gekommen sein. Immer wieder rufe er Menschen dazu auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. "Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit Hunderten von Menschen aus Neukölln, und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt."
"Zu dem Zeitpunkt", führt Kocak aus, habe er "keine Kenntnis" davon gehabt, "um wen es sich handelt". Das sei ihm erst kurz danach bekannt geworden. "Dass ich ihm danach schrieb, wie ich es üblicherweise mit vielen Leuten tue, wenn ich Reden veröffentliche, war ein Fehler, für den ich um Entschuldigung bitte." Er werde sich jetzt die Zeit nehmen, um jeden Zweifel auszuräumen und in Absprache mit meinem Team mein Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten.
Pau: "Mir reicht es"
Die frühere linke Bundestagsabgeordnete Petra Pau bezweifelte Kocaks Darstellung. "Mir reicht es langsam", schrieb sie auf X. Sie könne hier nicht mehr an Naivität glauben.
Linken-Spitzenkandidatin Eralp hatte zuvor mehrfach versichert, mit organisierter Kriminalität habe ihre Partei nichts zu tun. Mitgliedern des Remmo-Clans werden zahlreiche Straftaten vorgeworfen, und sie wurden in spektakulären Fällen verurteilt. Darunter war eine Beteiligung am Diebstahl der 100 Kilo schweren Goldmünze Big Maple Leaf aus dem Berliner Bode-Museum 2017 und der Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden 2019.