Lösung war möglichBritischer Sicherheitsberater war über geplatzten Iran-Atom-Deal verwundert

In der Schweiz verhandeln die USA und der Iran über ein Abkommen zu einem Atom-Deal - am Ende ohne Erfolg. Wenige Tage nach dem Gespräch fliegen Bomben. Dabei hätte das nicht sein müssen, erklärt ein britischer Verhandlungsteilnehmer.
Der britische nationale Sicherheitsberater Jonathan Powell hatte an den finalen Verhandlungen über ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran teilgenommen und war irritiert, dass die Trump-Regierung und Israel nur zwei Tage später ihren Angriff starteten. Wie "The Guardian" berichtet, erklärte Powell, dass das von Teheran zuvor unterbreitete Angebot bedeutend genug gewesen sein, um weiterzuverhandeln und einen überstürzten Krieg zu verhindern.
Powell ist der Ansicht, dass Ende Februar echte Fortschritte bei den Verhandlungen in Genf erzielt wurden und der Vorschlag der iranischen Delegation "überraschend" gewesen sei. Das britische Team sei laut Powell positiv gestimmt gewesen von dem, was die iranische Delegation auf den Tisch legte. "Es war kein vollständiges Abkommen, aber es war ein Fortschritt und wahrscheinlich nicht das endgültige Angebot der Iraner", sagte ein Beamter. Ein weiterer Termin für technische Gespräche am 2. März in Wien sei vereinbart worden. Zu dem kam es allerdings nicht mehr. Am 28. Februar griffen die USA und Israel den Iran an und führen seither Krieg.
Eine Quelle erklärte "The Guardian", dass Powell als Berater bei den Gesprächen fungierte, da es Sorge um die mangelnde Expertise der US-Vertreter, Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner, gab. Die beiden hätten kein eigenes Team an Experten mitgebracht. Stattdessen hätten sie Rafael Grossi, den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu den Gesprächen eingeladen. Der sollte einer Quelle zufolge eine technische Einschätzung geben, was allerdings nicht seiner Aufgabe entsprechen würde.
Kushner hält US-Delegation für kompetent
Zu der Frage, warum die US-Delegation auf Experten verzichtet habe, soll Kushner später behauptet haben, er und Witkoff hätten "ein ziemlich tiefes Verständnis für die in diesem Zusammenhang wichtigen Themen". Atomexperten sollen jedoch gesagt haben, dass Witkoffs Äußerungen zum iranischen Atomprogramm mit grundlegenden Fehlern gespickt waren. Witkoff, der bereits zahlreiche Verhandlungen mit russischen und ukrainischen Vertretern über eine Friedenslösung geleitet hatte, soll dabei mehrfach durch mangelhafte Kenntnisse und Vorbereitung aufgefallen sein. Mehrfach wurde spekuliert, dass er Aussagen der russischen Delegation falsch verstanden und entsprechend fehlerhaft an die US-Regierung weitergeleitet hätte.
Powells Schilderungen der Verhandlungen sollen zu der deutlichen Zurückhaltung der britischen Regierung gegenüber einer US-Unterstützung beigetragen haben, schreibt "The Guardian". Großbritannien sah demnach keine überzeugenden Beweise für eine unmittelbare Gefahr eines iranischen Raketenangriffs oder dafür, dass der Iran sich eine Atomwaffe beschaffen würde. Die US-Regierung hatte diese beiden Gründe jedoch vorgebracht und damit ihren Angriff am 28. Februar gerechtfertigt.
Großbritannien betrachtet die US-israelischen Attacken allerdings als rechtswidrig und verfrüht. Aus Powells Sicht sei eine Verhandlungslösung in der Frage um das iranische Atomprogramm möglich gewesen. Ob seitens der USA tatsächlich der Wunsch nach einer Einigung bestand, darf allerdings bezweifelt werden. Wie US-Medien übereinstimmend berichten, haben die USA und Israel bereits Wochen zuvor intensiv militärische Optionen durchgespielt.
London lehnte aufgrund der Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Angriffs anfangs ab, dass das US-Militär britische Stützpunkte benutzen darf. Darüber war US-Präsident Trump erzürnt. Nachdem der Iran britische Verbündete in der Region beschossen hatte, weichte die britische Regierung ihre Position auf und erlaubte den USA die Nutzung britischer Militärstützpunkte.