Politik

Sorge vor Staus London mietet Fähren für Brexit

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Für mehr als 100 Millionen Euro sichert sich London Fährkapazitäten.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Noch ist immer nicht klar, wie Großbritannien in drei Monaten die EU verlassen wird. Um die Versorgung der Insel zu sichern, setzt die Regierung erste Notfallpläne um. Dazu gehört der massive Ausbau des Fährverkehrs.

Die britische Regierung bucht zur Vorbereitung auf einen ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union Fähren für mehr als 111 Millionen Euro. Damit soll die Versorgung des Landes gesichert werden, wenn wegen neu eingeführter Grenzkontrollen der Verkehr zwischen der Insel und der EU ins Stocken gerät. Laut BBC hat die Regierung in London Verträge mit drei Reedereien aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien geschlossen, um zusätzliche Fährverbindungen zum Festland zu gewährleisten.

Die Verträge mit den französischen Britanny Ferries, dem dänischen Unternehmen DFDS und der britischen Seaborne-Reederei wurden ohne die übliche Ausschreibung ausgehandelt. Das Verkehrsministerium begründete das mit der "äußerst dringenden Notlage" aufgrund "unvorhergesehener Ereignisse".

Die zusätzlich gemieteten Schiffe sollten Häfen in Südengland wie Portsmouth, Poole oder Plymouth anlaufen, teilte das Verkehrsministerium mit. Die zusätzlichen Fährverbindungen entsprechen etwa zehn Prozent des derzeitigen Verkehrs am Hafen von Dover. Es handle sich um eine Notfallmaßnahme. "Auch wenn wir weiterhin daran arbeiten, dass es zu einem Austrittsabkommen kommt, bereiten wir uns auf alle Szenarien vor", hieß es. Der Chef der oppositionellen Liberaldemokratischen Partei, Vince Cable, nannte das Vorgehen "völligen Wahnsinn". Die Regierung könne den ungeordneten Brexit jederzeit stoppen, stattdessen würden auf den letzten Drücker öffentliche Gelder in Millionenhöhe ausgegeben.

Derzeit verkehren täglich etwa 16.000 Lastwagen zwischen dem nordfranzösischen Calais und Dover in Südengland. Sie transportieren unter anderem Lebensmittel, Medikamente oder Industriegüter. Sollten nach dem EU-Austritt in drei Monaten Grenzkontrollen eingeführt werden, wird mit langen Staus auf beiden Seiten des Ärmelkanals gerechnet.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/AFP