Politik

Minsk, Moskau, Peking, PjöngjangLukaschenko positioniert Belarus im Netz der CRINK-Achse

26.03.2026, 10:18 Uhr
imageEin Gastbeitrag von Gabriele Baumann
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Lukaschenko besucht derzeit Nordkorea - sein erster offizieller Besuch in dem Land. Am Mittwoch wurde er von Machthaber Kim Jong Un in Pjöngjang empfangen. (Foto: picture alliance / SIPA)

Mit China, Russland, dem Iran und Nordkorea pflegt Belarus enge Beziehungen - vor allem im militärischen Bereich. Über diese CRINK-Achse stellt Lukaschenkos Belarus für Europa eine Bedrohung dar.

Belarus, das seit über dreißig Jahren autoritär von Alexander Lukaschenko regiert wird, verflechtet sich zunehmend mit den Staaten der sogenannten CRINK-Achse. Die Abkürzung steht für China, Russland, Iran und Nordkorea. Die CRINK-Achse ist eine koordinierte Gruppierung autoritärer Mächte, welche den Einfluss des Westens zu untergraben und die Durchsetzung von Sanktionen und Abschreckung zu erschweren versucht.

Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 hat Belarus sein Engagement mit jedem der vier CRINK-Staaten ausgebaut. Die Abhängigkeit von Russland ist strukturell tief im sogenannten Unionsstaat verankert, der russisch-belarussischen Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft. Vor allem in diesen beiden Feldern, wirtschaftlich und militärisch, kommt die Abhängigkeit einem Verlust der Souveränität von Belarus gleich.

Aber auch die belarussischen Beziehungen zu China und Iran sind politisch mittlerweile bedeutend. Sie verorten Minsk in einem breiteren autoritären Umfeld, das potenziell an strategischem Handlungsspielraum gegenüber dem Westen gewinnt.

Die Abhängigkeit von China wächst

Bei seinen Besuchen in Peking präsentiert Lukaschenko Belarus als geschätzten Partner innerhalb der geopolitischen Architektur Chinas. Damit versucht er, sich den Narrativen einer internationalen Isolation zu widersetzen.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet den strukturellen Kern der bilateralen Beziehungen. China ist inzwischen nach Russland der zweitgrößte Handelspartner von Belarus. Das 2025 ratifizierte Abkommen über Dienstleistungen und Investitionen formalisierte diesen Trend. Es steigert das Handelsvolumen nicht nur, sondern umfasst auch eine Angleichung des Regelwerks und vertieft die Kooperation in Logistik, Finanzen, digitalen Dienstleistungen und Industrieproduktion.

Die Struktur dieses Handels zeigt jedoch eine klare Asymmetrie: Die chinesischen Exporte nach Belarus sind stark gewachsen. Sie umfassen Güter, die sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind, darunter Fahrzeuge, Maschinen, Elektronik, Telekommunikation und Optik. Belarus dagegen exportiert im Wesentlichen Düngemittel, Agrarprodukte, Pflanzenöle und Holz - also meist Rohstoffe und in geringeren Mengen. Dies führt zu einer strukturell unausgewogenen Handelsbeziehung: Minsk ist auf chinesische Technologie und Industrie-Inputs angewiesen, kann aber selbst nur begrenzt hochwertige Produkte anbieten.

Ein Großteil der chinesischen Investitionen erfolgt zudem über gebundene Kredite, die den Einkauf chinesischer Waren und Dienstleistungen vorschreiben. Die Folge ist eine Einbindung in durch China kontrollierte Wertschöpfungsketten, bedeutet also eher mehr Abhängigkeit als die Entwicklung autonomer Kapazitäten. China behält dabei die Kontrolle über Kerntechnologien.

Chinesische Komponenten für die russische Rüstung

Parallel zur Wirtschaft hat sich die sicherheitspolitische Kooperation vertieft. 2024 wurde Belarus in die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit aufgenommen - ein sicherheitspolitischer Rahmen, in dem China eine zentrale Rolle spielt. Kurz darauf führten beide Staaten gemeinsame "Anti-Terror"-Manöver unweit der Nato-Ostflanke durch - ein deutliches politisches Signal.

Unter dem Druck westlicher Sanktionen stützt sich der belarussische Verteidigungssektor zunehmend auf chinesische Komponenten. Belarus montiert Systeme, die chinesische Teile enthalten, und liefert diese weiter an russische Rüstungsbetriebe. Hierdurch werden westliche Exportkontrollen umgangen und Belarus fungiert als logistischer und industrieller Knotenpunkt innerhalb eines autoritären Netzwerks, das chinesische Produktionskapazität mit russischem Militärbedarf verbindet.

Iran will Drohnen in Belarus fertigen

Auch die Beziehungen zwischen Belarus und Iran haben sich seit der russischen Invasion 2022 deutlich intensiviert. Was zuvor pragmatische Interaktion zweier sanktionierter Staaten war, hat sich zunehmend zu einer strategischen Zusammenarbeit entwickelt, insbesondere in Verteidigungsfragen.

Seit 2023 wurden mehrere hochrangige Treffen und Abkommen geschlossen, darunter ein Verteidigungsabkommen im März 2025. Der Iran ratifizierte im Mai 2025 ein Freihandelsabkommen mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), wodurch der Zugang belarussischer Unternehmen zum iranischen Markt verbessert wurde.

Am sensibelsten ist die Kooperation in der Drohnenfertigung. Der Iran prüft die Produktion von Shahed-136-Drohnen in Belarus - vermutlich in der Region Homel, nahe der Grenze zur Ukraine. Belarus präsentierte 2024 seine eigene Drohne, die große Ähnlichkeit mit der Shahed-136 aufweist. Dies deutet auf eine enge technologische Zusammenarbeit hin.

Der Irankrieg seit Ende Februar 2026 schafft hier große politische Unsicherheit. Kurzfristig können daher Verzögerungen in den bilateralen Beziehungen auftreten, doch die grundlegenden Treiber der Kooperation bleiben bestehen: Beide Staaten sind stark sanktioniert und suchen technologische sowie wirtschaftliche Alternativen.

Belarus und die Zukunft von CRINK

Nordkorea ist für Belarus kein Partner von Gewicht wie China oder Iran, aber ein Baustein in diesem alternativen Netzwerk, wie auch Lukaschenkos jüngster Besuch in Pjöngjang verdeutlicht. Die Entwicklung der belarussischen Beziehungen zu Russland, China, Iran und Nordkorea zeigt, wie CRINK in der Praxis funktioniert: Es ist ein Netzwerk sanktionierter autoritärer Staaten, das gemeinsames Lernen, alternative Lieferketten und geopolitische Koordinierung ermöglicht. Dies stärkt insbesondere Russlands Kriegsfähigkeit.

CRINK ist keine formalisierte Allianz, sondern ein loses, aber funktionales Kriegsbündnis, getrieben durch Sanktionen und Konfrontation mit dem Westen. Seine Kohärenz bleibt begrenzt durch strukturelle Asymmetrien. China ist der wirtschaftliche Motor, Russland der militärische Kern, der Iran ein regionaler Akteur. Nordkorea ist in diesem Bündnis nur ein opportunistischer Partner.

Für Europa bedeutet CRINK kurzfristig eine erhöhte russische Durchhaltefähigkeit im Krieg gegen die Ukraine; mittelfristig sichert CRINK dem Kreml eine komplexe Abschreckungs- und Eskalationsdynamik.

Die Zukunft dieses Netzwerks wird von dem Kriegsverlauf in der Ukraine, der Wirksamkeit westlicher Sanktionen und den innenpolitischen Entwicklungen in Schlüsselstaaten wie Russland und Iran abhängen. Belarus stellt derzeit als enger Partner Russlands und der anderen CRINK-Staaten eine militärische Bedrohung für Europa dar. Ein zukünftiges souveränes und demokratisches Belarus sollte dagegen im europäischen Interesse ein Garant für regionale Sicherheit sein.

Die Autorin: Gabriele Baumann ist seit Februar 2025 Leiterin des Auslandsbüros Belarus der Konrad-Adenauer-Stiftung mit Sitz in Vilnius. Zuvor war sie für die Stiftung unter anderem in Sankt Petersburg, Kyiv und Stockholm tätig.

Quelle: ntv.de

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