Politik

Türkischer Wahlkampf im Ausland Maas schließt Erdogan-Auftritt aus

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Maas hofft, dass die deutsche Position nicht zu neuem Streit mit der Türkei führt.

(Foto: imago/photothek)

Der türkische Präsident Erdogan will unbedingt auch im Ausland um Stimmen für die türkischen Neuwahlen werben. Außenminister Maas erteilt dem eine Absage. In New York muss er die "klare Position" Deutschlands seinem türkischen Amtskollegen erklären.

Außenminister Heiko Maas hat vor dem ersten Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu bekräftigt, dass die Bundesregierung keine Wahlkampfauftritte türkischer Regierungsvertreter in Deutschland zulassen werde. "Wir haben eine klare Position, dass drei Monate vor Wahlen, die im Ausland durchgeführt werden, im Inland, in Deutschland kein Wahlkampf stattfindet", sagte er am Sonntag am Rande des G7-Außenministertreffens im kanadischen Toronto. "Das gilt. Und das gilt für alle, unabhängig davon, von wo sie kommen." Maas reist im Laufe des Tages weiter nach New York zu den Vereinten Nationen und trifft dort Cavusoglu.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Samstag angekündigt, auch im Ausland Wahlkampf machen zu wollen. Konkreter wurde er aber nicht. Vergangene Woche hatte Erdogan verkündet, dass am 24. Juni Parlaments- und Präsidentenwahlen stattfinden sollen. In Deutschland leben 1,4 Millionen türkische Wahlberechtigte und damit so viele wie in keinem anderen Land außerhalb der Türkei. Ein Auftritt in Deutschland wäre also naheliegend.

Maas hofft darauf, dass das nicht zu neuem Streit mit der Türkei führt. "Das wünsche ich mir nicht, und das wünsche ich auch keinem der Beteiligten", sagte er. "Dieser Streit, den es da gegeben hat, hat keiner Seite irgendetwas genutzt."

Gemeint ist der erbitterte Streit, den es vor dem Verfassungsreferendum vor einem Jahr um geplante Wahlkampfauftritte türkischer Politiker gab. Einzelne Verbote auf kommunaler Ebene hatte die türkische Regierung mit Nazi-Vorwürfen beantwortet. Das deutsch-türkische Verhältnis sackte auf einen Tiefpunkt ab. Im Juni informierte das Auswärtige Amt dann alle Botschaften in Deutschland in einer Note über das von Maas erwähnte Auftrittsverbot.

Nach der Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel hatte sich das lange Zeit schwer belastete deutsch-türkische Verhältnis zwischenzeitlich etwas entspannt. Die türkische Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien hat allerdings zu einer neuen Belastung geführt. Außerdem sitzen immer noch vier Deutsche aus politischen Gründen in türkischer Haft. Der Wahlkampf könnte die Gesprächskontakte nun wieder erschweren.

Quelle: ntv.de, chr/dpa