Politik

Kiew will ruhig Blut bewahren Macron telefoniert lange mit Putin

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Krisengespräche an der Schmerzgrenze: Frankreichs Präsident Macron am Freitag in Brüssel.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die NATO befürchtet einen russischen Großangriff auf die Ukraine, doch die diplomatischen Drähte laufen trotzdem heiß. Nach einem ausführlichen Telefonat mit Kreml-Chef Putin lässt sich Frankreichs Präsident Macron von Kiew versichern, dass man nicht auf Provokationen reagieren werde.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat nach einem längeren Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin im Anschluss erneut mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Wie es am Nachmittag aus dem Élyséepalast hieß, dauerte das Telefonat von Macron mit Putin rund eine Stunde und 45 Minuten. Russland und Frankreich hätten sich darauf verständigt, rasch an einem Waffenstillstand in der Ostukraine zu arbeiten, hieß es in der Erklärung weiter. Laut Kreml wurde vereinbart, "die Wiederherstellung des Waffenstillstands zu erleichtern und Fortschritte bei der Lösung des Konflikts zu gewährleisten".

Der Kreml betonte seinerseits, dass Putin in dem Gespräch "Provokationen" durch die ukrainische Armee für die "Eskalation" im Osten der Ukraine verantwortlich gemacht habe. Durch die Lieferungen moderner Waffen und Munition an die ukrainischen Streitkräfte aus dem Westen werde "Kiew in Richtung einer militärischen Lösung" in dem seit 2014 andauernden Konflikt mit den pro-russischen Separatisten in der Ostukraine gedrängt.

Scholz plant Telefonat mit Putin für Montag

Erst am Vorabend hatte Macron mit Selenskyj telefoniert, der die Dialogbereitschaft seines Landes im Konflikt mit Russland betont hatte. Wie es in Paris hieß, sicherte Selenskyj zu, nicht auf Provokationen moskautreuer Separatisten in der Ostukraine zu reagieren. Nach Informationen von ntv wird Bundeskanzler Olaf Scholz am morgigen Montag mit Putin telefonieren. Das bestätigte Regierungssprecher Steffen Hebestreit. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hatte Scholz gesagt, Europa setze weiter auf Diplomatie: "So viel wie möglich, ohne naiv zu sein."

Unterdessen sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen mit Blick auf Befürchtungen des Westens vor einem Einmarsch Russlands in die Ukraine: "Welchen Sinn hat es, dass Russland jemanden angreift? Wir rufen dazu auf, sich an die Geschichte zu erinnern." Vielmehr könnte sich die Ukraine zu einer gewaltsamen Lösung im Konfliktgebiet im Osten des Landes provoziert fühlen. Peskow kritisierte einmal mehr die militärische Unterstützung des Westens für Kiew.

Deutliche Zunahme der Gefechte in der Ostukraine

Russland hat nach westlichen Angaben etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zum Nachbarland Ukraine zusammengezogen, streitet aber Angriffspläne ab. Die Lage verschärft sich vor allem an der Frontlinie zwischen der ukrainischen Armee und den von Moskau unterstützten Separatisten, die schon seit Jahren den Osten der Ukraine kontrollieren.

Die NATO rechnet inzwischen mit einem unmittelbar bevorstehenden Großangriff auf die Ukraine. Allen Anzeichen nach plane Russland "einen vollständigen Angriff auf die Ukraine", sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Samstagabend mit Blick auf ein neues Großmanöver Russlands und eine deutliche Zunahme der Gefechte in der Ostukraine. Am Sonntagmorgen wurde zudem Russlands heftig kritisiertes Militärmanöver mit Belarus in dem nördlich an die Ukraine grenzenden Nachbarland verlängert.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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