Politik
Dienstag, 23. Juni 2009

Meist ohne Kopftuch: Mehr Muslime in Deutschland

Eine Studie über muslimisches Leben in Deutschland hat so manche Überraschung ans Licht gebracht: In Deutschland leben mehr Muslime als angenommen, und diese sind auch häufig gut integriert.

In Deutschland leben deutlich mehr Muslime als bisher angenommen. Laut einer Studie wohnen zwischen 3,8 Millionen und 4,3 Millionen Muslime in der Bundesrepublik, was einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von rund 5 Prozent entspricht. Bislang ging man wegen fehlender statistischer Erhebungen von 3 bis 3,5 Millionen Muslimen aus.

Die meisten muslimischen Mädchen sind in der Schule gut integriert: Nur sieben Prozent nehmen nicht am gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht teil und nur rund 10 Prozent bleiben Klassenfahrten fern.
Die meisten muslimischen Mädchen sind in der Schule gut integriert: Nur sieben Prozent nehmen nicht am gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht teil und nur rund 10 Prozent bleiben Klassenfahrten fern.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Integration der Muslime in die Gesellschaft ist laut der Studie besser als vielfach angenommen. Mehr als die Hälfte der befragten Muslime über 16 Jahre sind Mitglied in einem deutschen Verein. Der Wunsch nach einem islamischen Religionsunterricht ist indes stark. 76 Prozent sprechen sich dafür aus.

Der Erhebung zufolge haben 45 Prozent der hier lebenden Muslime ausländischer Herkunft einen deutschen Pass, 55 Prozent eine ausländische Nationalität. Mit rund 2,5 Millionen haben zwei von drei der hier lebenden Muslime türkische Wurzeln. Fast alle Muslime (98 Prozent) leben in den alten Bundesländern einschließlich des Ostens Berlins.

Autoren empfehlen konsequente Förderung

Die Erhebung wurde vom Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz erstellt. Die größten Defizite gibt es demnach bei der großen Gruppe der türkischen Migranten. Diese schneiden im Vergleich zu anderen Gruppen bei der Schulbildung relativ schlecht ab und haben auch die größten sprachliche Defizite. Dies lässt sich vor allem durch extrem schlechte Werte bei türkischen Frauen der ersten Zuwanderergeneration erklären. Generell sind in Deutschland geborene Muslime (2. Generation) besser integriert als ihre Eltern, die in den 50er Jahren als Arbeitskräfte meist aus bildungsfernen Schichten angeworben wurden. Die Autoren empfahlen, Migranten auch außerhalb der Schule konsequent zu fördern.

Bei Themen, die in der Öffentlichkeit bisweilen hitzig diskutiert werden, ergab die Studie jedoch ein differenzierteres Bild. 70 Prozent der muslimischen Frauen tragen das umstrittene Kopftuch nie. Vor allem in der zweiten Einwanderergeneration wird das Kopftuch immer seltener getragen.

Speisevorschriften werden respektiert

CDU-Innenminister Schäuble begrüßte die Studie: Nun habe man eine gesicherte Datenbasis, sagte er.
CDU-Innenminister Schäuble begrüßte die Studie: Nun habe man eine gesicherte Datenbasis, sagte er.(Foto: AP)

Dass muslimische Mädchen bisweilen von manchen Unterrichtsangeboten fernbleiben, sei ebenfalls kein Massenphänomen: Laut der Studie bleiben nur 7 Prozent der muslimischen Schülerinnen dem gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht und 10 Prozent den Klassenfahrten fern. Die strengen islamischen Speisevorschriften beachten die meisten (80,7 Prozent) Befragten. Muslime iranischer Herkunft setzen sich indes zu 75 Prozent darüber hinweg.

Die Islamkonferenz kommt am Donnerstag auf Einladung von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble zu ihrer abschließenden Sitzung zusammen. Der CDU-Politiker begrüßte die Studie: "Wir haben jetzt eine gesicherte Datenbasis", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Quelle: n-tv.de