Politik

RTL/n-tv Trendbarometer Mehrheit sieht in Merz-Attacken Racheakt

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Hat mit ziemlichen Image-Problemen zu kämpfen: Die CDU kämpft nach schlechten Wahlergebnissen um die Gunst der Bevölkerung.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach den schlechten Wahlergebnissen der CDU in Thüringen und Brandenburg findet Christdemokrat Friedrich Merz klare Worte zur Arbeit der Großen Koalition. Bei den meisten Deutschen kommt das nicht gut an. Rückenwind erhält er von AfD und FDP.

Mit seinen Attacken auf Kanzlerin Angela Merkel und die Arbeit der Großen Koalition hat Friedrich Merz weder die Mehrheit der Deutschen und schon gar nicht die der CDU auf seiner Seite. So halten 51 Prozent der Bundesbürger und 75 Prozent der CDU-Anhänger die Angriffe für "weit übertrieben", wie aus dem RTL/n-tv-Trendbarometer hervorgeht. Lediglich 44 Prozent der Befragten teilen die Kritik. Allerdings stimmen insbesondere Anhänger der Linken, der FDP und der AfD dieser zu.

Die meisten Bundesbürger aber misstrauen den Motiven von Friedrich Merz für seine innerparteiliche Abrechnung. 54 Prozent sind überzeugt, das sei "seine Rache dafür, dass ihn Merkel 2002 als CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden abgelöst hat". Das sehen auch fast 60 Prozent der CDU-Anhänger so. Dass Merz bei seiner Kritik vor allem "die Sorge um Deutschland" umtreibt, glaubt nur knapp ein Drittel der Befragten. Die Einschätzung findet ausschließlich bei den Anhängern der FDP und der AfD eine Mehrheit.

Nur wenige sind hingegen der Ansicht, dass Angela Merkel schuld am schlechten Abschneiden der CDU bei den Wahlen in Brandenburg und Thüringen ist. Vielmehr machen die meisten CDU-Anhänger "das Erscheinungsbild und das Personalangebot der CDU in beiden Ländern" für das schlechte Ergebnis verantwortlich. Lediglich die Anhänger der AfD sehen das anders – 75 Prozent von ihnen sehen in Merkel den Hauptgrund für die starken Verluste der Christdemokraten.

"Schlechterer Kanzler"

Im Rahmen des RTL/n-tv Trendbarometers wurde auch gefragt, ob Friedrich Merz das Land besser regieren würde als Angela Merkel. 20 Prozent beantworten diese Frage mit Ja, 38 Prozent urteilen: "Nein, er wäre ein schlechterer Kanzler". Davon sind auch 44 Prozent der CDU-Anhänger überzeugt. In der Frage, wen die Union nach Merkel als nächsten Kanzlerkandidaten aufstellt, gehen die Meinungen deutlich auseinander. Die meisten Wahlberechtigten halten Merz für geeignet, gefolgt von Armin Laschet und Markus Söder. Nur neun Prozent der Befragten sehen Jens Spahn als möglichen Kandidaten, sogar noch weniger Annegret Kramp-Karrenbauer.

Die höchste Zustimmung erhält Merz bei den Anhängern der FDP und der AfD. In Nordrhein-Westfalen liegt Laschet mit 27 Prozent sieben Prozentpunkte vor Merz. 26 Prozent der Grünen-Anhänger trauen Laschet die Kanzlerkandidatur zu – Merz kommt bei den Grünen auf sieben Prozent. In Bayern liegt Markus Söder mit 26 Prozent vorn.

"Friedrich Merz ist für eine Kanzlerkandidatur der Union der Favorit der AfD-Anhänger und großer Teile des konservativen Flügels der CDU-Funktionärskader", erklärte Forsa-Chef Manfred Güllner. Doch bei der großen Zahl der überwiegend zu den Grünen abgewanderten früheren CDU/CSU-Wähler aus der liberalen Mitte der Gesellschaft habe Armin Laschet die größeren Sympathien und damit auch – anders als Merz – die Chance, einen Teil dieser zur Zeit bei den Grünen "zwischenparkenden" CDU-Abwanderer wieder zurückzugewinnen.

Mit Blick auf Thüringen sprach sich eine große Mehrheit der Befragten für eine Zusammenarbeit zwischen der CDU und der Linken als Wahlsieger aus. So sind bundesweit acht von zehn (79 Prozent) Wahlberechtigten, in Thüringen sogar neun von zehn (91 Prozent) dieser Auffassung. Dabei würden 39 Prozent der Bundesbürger eine Koalition mit der Linkspartei bevorzugen, auch 33 Prozent der CDU-Anhänger sind dafür. 40 Prozent der Befragten befürworten, dass die CDU eine Minderheitsregierung unter Führung der Linken toleriert. Das wollen auch 42 Prozent der CDU-Anhänger.

Dem Vorschlag, Thüringens CDU-Chef Mike Mohring solle trotz seiner Wahlverluste zusammen mit Grünen und FDP eine Minderheitsregierung bilden, erteilen 72 Prozent der Bundesbürger, 80 Prozent der Wahlberechtigten in Thüringen und 62 Prozent der CDU-Anhänger eine Absage.

Quelle: ntv.de, joh