Politik

"Bittere Stunden" in Afghanistan Merkel spricht von 10.000 auszufliegenden Menschen

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Merkel macht deutlich, dass die Möglichkeiten der Bundeswehr vom Einsatz des US-Militärs abhängen.

(Foto: AP)

Kanzlerin Merkel spricht vor der CDU-Spitze ohne Illusionen über die derzeitige Lage in Afghanistan. Man werde versuchen, viele Menschen auf dem Luftweg zu retten - doch sei man dazu vom US-Militär abhängig. Zugleich forderte sie Hilfen für die Anrainerstaaten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im CDU-Bundesvorstand nach Angaben von Teilnehmern von rund 10.000 Personen gesprochen, die Deutschland aus Afghanistan bringen wolle. Die Bundesregierung habe vor Monaten bereits 2500 Ortskräfte identifiziert, bei 600 wisse man derzeit nicht, ob sie bereits in Drittstaaten seien, habe Merkel gesagt. Weitere 2000 Menschen wie Menschenrechtler und Anwälte sollten auch ausreisen. Insgesamt handele es sich inklusive der Familien um rund 10.000 Menschen. "Wir evakuieren nun in Zusammenarbeit mit den USA die Menschen. Ohne die Hilfe der Amerikaner könnten wir so einen Einsatz nicht machen", sagt die Kanzlerin.

Zuvor hatte sie im Präsidium laut Teilnehmern angesichts der aktuellen Entwicklung von "bitteren Stunden" gesprochen. Laut Teilnehmern machte sie in einer Sitzung des CDU-Präsidiums deutlich, wie wichtig die gerade angelaufene Aktion der Bundeswehr zur Rettung von deutschen Staatsangehörigen, Angehörigen der Botschaft und Ortskräften sei. Auch hier wies sie demnach ausdrücklich auf die Tatsache hin, dass die Sicherung des Flughafens in Kabul nur mit Unterstützung von US-Truppen möglich sei. Dadurch werde deutlich, was man könne und was nicht, sagte Merkel offenbar auch mit Blick auf die Möglichkeiten der Bundeswehr.

Angesichts der drohenden Flüchtlingsbewegungen machte die Kanzlerin klar, wie wichtig es sei, die Nachbarländer Afghanistans sowie die gesamte Region zu unterstützen. Inwieweit Menschen Afghanistan verlassen könnten, werde aber abhängig von den Taliban sein, ergänzte sie demnach.

Merkel habe auf die Richtungsentscheidung der US-Regierung zum Abzug aus Afghanistan sowie auf den Ursprung der westlichen Militäraktion in Afghanistan hingewiesen: Die Anschläge von Al-Kaida in den USA vom 11. September 2001 hatten den US-geführten Militäreinsatz in Afghanistan ausgelöst. Der Drahtzieher der Anschläge, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden, hielt sich unter dem Schutz der Taliban in Afghanistan auf.

Laut Regierungssprecher Steffen Seibert räumt die Bundesregierung der Evakuierung bedrohter Menschen aus Kabul oberste Priorität ein. Wichtigstes Ziel sei es im Moment, die letzten deutschen Staatsbürger sowie "so viele der afghanischen Ortskräfte wie möglich außer Landes und in Sicherheit zu bringen", sagte er. Bundeskanzlerin Merkel werde laufend informiert. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat einem Ministeriumssprecher zufolge alle Termine für diese Woche abgesagt.

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Die Lage in Afghanistan bereite der Bundeswehr "große Sorgen", sagte Seibert weiter. Sie mache sich Sorgen "um das Schicksal einzelner Afghanen, aber auch um die Entwicklung des Landes insgesamt". Seibert sprach von einer "bitteren Entwicklung" gerade auch "vor dem Hintergrund des langjährigen Einsatzes der westlichen Staatengemeinschaft" in dem Land.

Eine Bilanz des Einsatzes wollte der Regierungssprecher nicht ziehen - zunächst stehe die Rettung der bedrohten Menschen im Vordergrund. Er verwies darauf, dass der Einsatz gemeinsam mit den Verbündeten ausgeführt worden sei. "Die Bilanz dieses Einsatzes wird gemeinsam zu ziehen sein - ehrlich, aber auch kritisch", sagte Seibert.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts

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