Politik

Neujahrsansprache zu Klimawandel Merkel will alles "Menschenmögliche" tun

In keinem Jahr wurde wohl so ausgiebig und kontrovers über den Klimawandel diskutiert wie 2019. Kanzlerin Merkel greift das Thema, das noch Generationen beschäftigen wird, in ihrer Neujahrsansprache auf. Sie wählt versöhnende aber auch ehrliche Worte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Gefahren des Klimawandels betont und das jüngst beschlossene Gesetzespaket verteidigt. "Die Erwärmung unserer Erde ist real. Sie ist bedrohlich", sagte Merkel laut ihrer vorab vom Bundespresseamt veröffentlichten Neujahrsansprache. Die daraus erwachsenden Krisen seien von Menschen verursacht. "Also müssen wir auch alles Menschenmögliche unternehmen, um diese Menschheitsherausforderung zu bewältigen."

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Die Kanzlerin hat schon einige Neujahrsansprachen hinter sich.

(Foto: dpa)

Diese Überzeugung trage auch das Klimaschutzprogramm, das Bund und Länder vor wenigen Tagen verabschiedet haben. "Ich weiß sehr wohl, dass die darin beschlossenen Maßnahmen den einen Angst machen, dass sie sie überfordern könnten, und den anderen noch lange nicht ausreichen", sagte die Kanzlerin und zeigte für die Kritiker Verständnis. "Ich bin mit meinen 65 Jahren in einem Alter, in dem ich persönlich nicht mehr alle Folgen des Klimawandels erleben werde, die sich einstellen würden, wenn die Politik nicht handelte", sagte die CDU-Politikerin.

Mit der gelassenen Anspielung auf ihr Alter reagierte die Kanzlerin vermutlich auch auf einen Tweet der Bewegung "Fridays for Future", der vor einigen Tagen für heftige Debatten gesorgt hatte. "Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei", hieß es darin. Später entschuldigten sich die Klimaaktivisten für ihre Äußerung: "Wir möchten uns aufrichtig bei allen entschuldigen, die sich durch unseren satirisch gemeinten Tweet heute Morgen verletzt gefühlt haben. Auch die tolle Unterstützung unzähliger Großeltern wollen wir nicht geringschätzen."

Es seien die Kinder und Enkel, die mit den Folgen dessen leben müssten, was heute getan oder unterlassen werde, so Merkel in ihrer Neujahrsansprache. "Deshalb setze ich all meine Kraft dafür ein, dass Deutschland seinen Beitrag leistet - ökologisch, ökonomisch, sozial - den Klimawandel in den Griff zu bekommen." Das gerade beschlossene Gesetz biete dazu den notwendigen Rahmen.

"Die Würde des Menschen setzt die Grenzen"

Die Menschen in Deutschland könnten auf dem aufbauen, was sie schon immer stark gemacht habe: "unseren Ideen, unserem Erfindergeist, unserem Fleiß und unserer Hartnäckigkeit, unseren Handwerkern, Ingenieuren und Fachkräften, unseren staatlichen und ehrenamtlichen Strukturen, unserer Art des Zusammenlebens in Familien und Vereinen, der Wertschätzung für diejenigen, die zum Beispiel in der Pflege für andere Menschen und mit anderen Menschen arbeiten".

Merkel zeigte sich auch optimistisch mit Blick auf das kommende Jahrzehnt, das streng genommen erst 2021 beginnt. Es gebe "gute Gründe, zuversichtlich zu sein", dass die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts gute Jahre werden könnten. Dazu müsse Deutschland seine Stärken nutzen und auch Antworten finden, wie der digitale Fortschritt das Arbeitsleben verändere. Doch auch im digitalen Zeitalter habe die Technik dem Menschen zu dienen - und nicht umgekehrt. "Die Würde des Menschen setzt die Grenzen, denn sie ist unantastbar."

Mit Blick auf Europa betonte die Bundeskanzlerin, dass die Staatengemeinschaft ihre Stimme stärker in der Welt einbringen müsse. Dafür werde sich die Bundesrepublik auch während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft von Juli bis Dezember einsetzen. Geplant seien etwa ein Gipfel mit China und ein Treffen mit den Staaten Afrikas. "Die Zusammenarbeit mit Afrika liegt auch in unserem eigenen Interesse", so die CDU-Politikerin. Denn nur wenn Menschen die Chance auf ein friedliches und sicheres Leben hätten, würden Flucht und Migration abnehmen. "Nur wenn wir Kriege durch politische Lösungen beenden, wird sich nachhaltige Sicherheit einstellen", betonte Merkel.

Quelle: ntv.de, fzö/DJ/dpa/rts