Politik

SPD ist größte Volkspartei Merkels Kurs kostet CDU Tausende Mitglieder

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Gut 1000 Delegierte waren beim CDU-Parteitag: Allein mit den ausgetretenen Mitgliedern hätte die Partei dreizehn Mal die Halle gefüllt.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Die beiden großen Volksparteien haben in diesem Jahr massiv Mitglieder verloren. Allerdings hat die SPD den Trend in den vergangenen Monaten umkehren können. Großen Zulauf erfährt derweil die AfD.

Die dieses Jahr alles überschattenden Debatten über Flüchtlinge und Terrorgefahr haben der CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel viele Mitglieder gekostet. Dagegen legten die nicht im Bundestag sitzenden Parteien FDP und AfD zu. Die Rechtspopulisten verzeichneten durch die strikte Ablehnung der Zuwanderungspolitik der großen Koalition sogar einen Run auf ihre Parteibücher, wie eine Umfrage zum Jahresende ergab.

Die CDU rangiert mit 434.019 Mitgliedern (Ende November) derzeit wieder einmal hinter der SPD. Der massive Vertrauensverlust in der Wählerschaft und der Dauerstreit von Parteichefin Angela Merkel mit der bayerischen CSU-Schwester um die Flüchtlingspolitik kostete fast 13.000 Mitglieder. Ein Jahr zuvor zählte die CDU noch knapp 446.000 Mitglieder, vor zehn Jahren waren es nach Daten der Bundeszentrale für Politische Bildung gut 550.000. Die Christsozialen mussten mit derzeit 143.000 Mitgliedern im Vorjahresvergleich ein Minus von rund 1000 verschmerzen.

Die SPD sank im Sommer um 9000 auf gut 436.000 Mitglieder ab, verzeichnete danach aber mehrere tausend Neueintritte. Derzeit nähere man sich wohl wieder dem Vorjahresniveau von 445.000 Mitgliedern, heißt es im Willy-Brandt-Haus. Zuletzt bejubelte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley freilich 1900 Neumitglieder allein im November - im Herbst mache sich ein «ordentlicher Schub» bemerkbar durch den Schock vieler Deutscher über den US-Wahlsieg von Donald Trump und verstärkten Einsatz gegen Rechts, hieß es

Die Linke zählte bis Ende September 58.645 Mitglieder - ein Jahr zuvor waren es etwa 1000 mehr gewesen. Zuletzt hätten sich die Zahlen aber "erfreulich entwickelt". Die Grünen begründen ihren Zuwachs von 59.418 vor einem Jahr auf zuletzt 60.791 mit der Urwahl ihrer Spitzenkandidaten für 2017. Die FDP verzeichnete einen Zuwachs binnen Jahresfrist um 600 auf 53.800. Parteichef Christian Lindner hat die vor drei Jahren aus dem Bundestag geflogene FDP (2013: 4,8 Prozent) für die Wahlen 2016/17 herausgeputzt. Kritik an Merkel, CDU/CSU und den Mitte-Links-Parteien ja, Anbiederung an die rechte AfD nein - so sein Kurs, der sich auszahlt.

Die Alternative für Deutschland (AfD) wuchs innerhalb eines Jahres bis Dezember von 22.000 auf 26.000 Mitglieder. Trotz Zerstrittenheit des AfD-Führungspersonals führte die strikte, auch polemische Ablehnung der Flüchtlingspolitik Merkels zu starker Mobilisierung. "Der enorme Zuspruch liegt am Politikversagen der Altparteien und dem großen Vakuum, das sie in der gesellschaftlichen Mitte haben entstehen lassen", sagt AfD-Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa