Ende von barbarischen AngriffenMerz appelliert an Putin: "Wir können sprechen"

Russland greift inzwischen dauerhaft Wohnhäuser, Brücken und andere zivile Infrastruktur der Ukraine an. Der Kanzler spricht bei seinem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt von Barbarei. Er bietet dem russischen Präsidenten Gespräche an - unter einer Bedingung.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin bei seinem von Luftalarmen begleiteten Besuch in Kiew aufgerufen, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Merz verurteilte die russischen Angriffe auf die Infrastruktur des Landes und bezeichnete sie als tägliche Kriegsverbrechen: "Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf", sagte der Kanzler in Kiew. "Wir sind bereit zu Gesprächen, wir sind bereit, miteinander zu sprechen über das Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören."
Die Ukraine bereitet sich gegenwärtig auf den mittlerweile fünften Kriegswinter vor, während die russischen Angriffe auf die Energieversorgung anhalten. Merz betonte, dass Verhandlungen mit Moskau an eine klare Bedingung geknüpft seien. "Wir können sprechen, aber erst, wenn die Waffen schweigen, und die Waffen müssen schweigen", sagte der Bundeskanzler.
Merz nahm bei seinem Besuch die bei einem Drohnenangriff getroffenen Akademie der Wissenschaften in Kiew in Augenschein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war bei dem Ortsbesuch dabei. Währenddessen lösten russische Angriffe mehrfach Drohnenalarm aus, eine Brücke im Norden der ukrainischen Hauptstadt war schon am Morgen getroffen worden.
Es gebe tägliche Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine, während das Land sich auf den Winter vorbereite, sagte Merz. Bei dem Angriff auf die Akademie sei am letzten Montag die Sinnlosigkeit dieses Krieges deutlich geworden. "Ein Angriff auf die Akademie der Wissenschaften in Kiew, mitten in der Stadt, übrigens wenige 100 Meter von der deutschen Botschaft entfernt. Und heute Morgen an einem friedlichen Sonntag Luftalarm in Kiew", sagte Merz. Und: "Das sind tägliche Kriegsverbrechen, die hier verübt werden."
Die Drohne war mitten am Tag in der Akademie eingeschlagen. Der Treffer und der nachfolgende Brand zerstörten zwei Stockwerke des historischen Gebäudes. Eine Frau wurde getötet, ein halbes Dutzend Menschen verletzt. Das russische Militär machte dabei Angaben zu Angriffen auf Anlagen von ukrainischen Kommunikationsunternehmen. Der Hauptsitz der Ukrtelecom befindet sich in unmittelbarer Nähe der Akademie. Auch das Gebäude der deutschen Botschaft ist nur etwa 140 Meter von dem Einschlagsort entfernt.
