Juso-Chef Türmer im Frühstart"Merz hat recht - auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn"
In der von Bundeskanzler Merz ausgelösten Gerechtigkeitsdebatte über die Gesundheitsversorgung drängt Juso-Chef Türmer auf Reformen. Der SPD-Politiker fordert die Einführung einer Bürgerversicherung. Damit könne jeder eine "gleich gute Krankenversorgung" bekommen.
Juso-Chef Philipp Türmer hat Bundeskanzler Friedrich Merz zugestimmt, dass die Ungleichbehandlung von privat und gesetzlich Versicherten ein Gerechtigkeitsproblem ist. "Das sage ich ja nicht so häufig. Aber ich muss sagen, da hat er recht. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn", sagte Türmer im Frühstart von RTL und ntv.
"Das ist wirklich ein ganz großes Problem in unserer Gesellschaft, dass wir ein zweigliedriges Krankenkassensystem haben, bei dem die Privatversicherten quasi, wenn sie mit dem Finger schnipsen, am nächsten Tag einen Termin bekommen und die gesetzlich Versicherten teilweise monatelang warten müssen."
Die Antwort darauf habe der Kanzler nicht gegeben, so der SPD-Politiker weiter. "Aber die gebe ich jetzt gerne: Das ist die Bürgerversicherung. Dass wir alle in ein System überführen, dass alle die gleichen Leistungen bekommen. Wenn jeder Mensch gleich viel wert ist - und so ist das - dann gehört auch dazu, dass jeder eine gleich gute Krankenversorgung bekommt."
Merz hatte sich am Montag zur Krankenversicherung als Gerechtigkeitsproblem eingelassen. Wenn sich in der Bevölkerung der Eindruck verfestige, dass privat Versicherte sofort jede Leistung bekämen und gesetzlich Versicherte Wochen und Monate darauf warten müssten, sei das ein Gerechtigkeitsproblem, so der Bundeskanzler.
Juso-Chef: Nicht mit Kopf durch die Wand
Eine Klarstellung des Regierungssprechers, es gehe Merz nicht um eine Zusammenlegung der Systeme, kritisierte Türmer als widersprüchlich. "Es ist ein bisschen widersprüchlich. So ist das ja manchmal bei diesem Kanzler. Ich finde, er sollte an der ersten Äußerung an diesem Tag festhalten", so Türmer. "Wir brauchen endlich ein gerechtes System bei den Krankenkassen. Und daran zu arbeiten, ich glaube, das würden die Menschen honorieren."
An den Personaldebatten in der Union will sich Türmer nicht beteiligen. "Ehrlicherweise bin ich weder ein Fan von Friedrich Merz noch von Markus Söder als Juso-Chef", so der SPD-Politiker. "Ich finde es ja eher beeindruckend, wie viel Zustimmung dieser Kanzler in der Bevölkerung verloren hat. Und das wichtige wäre jetzt, politische Konsequenzen daraus zu ziehen und nicht weiter zu versuchen, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern auch den Bürgern zuzuhören und dann Anpassungen an dem bisherigen Kurs vorzunehmen."
Die Deutschen stellen dem Kanzler kein gutes Zeugnis aus. Laut RTL/ntv-Trendbarometer aus der vergangenen Woche sind derzeit 88 Prozent der Wahlberechtigten mit der Arbeit von Merz unzufrieden.

