Politik

Zehntausende Stellen unbesetzt Mit 111 Maßnahmen zu mehr Pflege-Azubis

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Vielen Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen fehlt es an ausreichend Personal.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland fehlen Zehntausende Pflegekräfte. Die Bundesregierung will das Berufsfeld attraktiver machen und stellt nun erste Pläne für die Fachkräfte-Sicherung vor. Kritik kommt bei der Frage nach der Finanzierung der ehrgeizigen Projekte.

Die Bundesregierung will die Zahl der Auszubildenden in der Pflege bis 2023 um zehn Prozent erhöhen. In derselben Höhe soll auch die Zahl der Ausbildungsstätten steigen, hieß es anlässlich der ersten Bilanz zur "Konzentrierte Aktion Pflege". Familienministerin Franziska Giffey kündigte an, dass die Rahmenbedingungen für die Ausbildung verbessert werden sollten. Die SPD-Politikerin hatte neben den Ministern für Gesundheit und Arbeit, Jens Spahn und Hubertus Heil, im vergangenen Jahr die Aktion ins Leben gerufen, um dem Personalnotstand in der Branche entgegenzuwirken.

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Gesundheitsminister Jens Spahn, Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil präsentieren erste Ergebnisse der "Konzertierten Aktion Pflege" vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nach Angaben Giffeys startete am Montag auch die "Ausbildungsoffensive Pflege", die aus 111 konkreten Maßnahmen besteht. Damit solle das Ziel erreicht werden, mehr Menschen für diesen Beruf zu begeistern und die Ausbildungsbedingungen zu verbessern. Neben einer großangelegten Informationskampagne geht es auch darum, die Ausbildungsbetriebe und Pflegeschulen fit zu machen und Menschen aller Altersgruppen mit einer gezielten Berufsberatung für die Pflege zu gewinnen.

Kritik an Finanzierung

Gesundheitsminister Spahn sprach sich ebenfalls für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen aus. Auch das Gesundheitsministerium werde sich an der entsprechenden Förderung beteiligen, erklärte er. Heil fügte hinzu: "Ohne gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne steuern wir auf eine Krisensituation zu." Er verwies darauf, dass mehrere Arbeitgeber aus der Wohlfahrt daran arbeiteten, einen mitgliederoffenen Arbeitgeberverband zu gründen. Dies sei notwendig, um bundesweite Tarifverträge schließen und damit letztlich auch eine bessere Bezahlung für die Pflegenden erreichen zu können. "Ich appelliere an alle Beteiligten, dieses Vorhaben möglichst bald umzusetzen."

Die drei Minister unterzeichneten mit den zuständigen Verbänden eine Vereinbarung zur Stärkung der Ausbildung. Zu den geplanten Maßnahmen gehört, dass die Verbände der Pflegeeinrichtungen mindestens 5000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelfern zur Verfügung stellen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass die Kosten für die zusätzlichen Ausbildungsplätze alleine die Heimbewohner aufbringen müssten. "Die Zeche zahlen die Pflegebedürftigen über die Ausbildungsumlage", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Die Kosten, die mit den geplanten Verbesserungen einhergehen, dürften "nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden", erklärte auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele. "Pflegebedürftige zahlen ohnehin schon viel und müssen häufig ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen, um die Pflege zu finanzieren."

"Klein-Klein bringt uns nicht weiter"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte angesichts des Pflegenotstands in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen eine schnelle Umsetzung der Ausbildungsoffensive. "Der Pflegeberuf muss wieder attraktiv werden, um sich in der Konkurrenz um die Fachkräfte der Zukunft durchzusetzen", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, forderte mehr Mut und Kreativität für eine bessere Pflege in Deutschland. "Klein-Klein bringt uns nicht weiter", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Die geplante Ausbildungsoffensive sei der richtige Impuls. Unverbindliche Selbstverpflichtungen würden indes zu keiner Problemlösung führen.

In Deutschland fehlen rund 40.000 Pflegekräfte. Mit dem vom Bundestag verabschiedeten Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sollen unter anderem in einem ersten Schritt 13.000 neue Stellen in der stationären Altenpflege geschaffen werden, vollständig bezahlt von der gesetzlichen Krankenversicherung.

Quelle: n-tv.de, hny/AFP