Politik

Land politisch zerrissenMoldaus pro-europäischer Regierungschef tritt zurück

03.07.2026, 14:26 Uhr
00:00 / 02:43
Russia-Afghanistan-War-Troops-Withdrawal-Anniversary-9106050-15-02-2026-Moldovan-Prime-Minister-Alexandru-Munteanu-attends-a-flower-laying-ceremony-commemorating-the-37th-anniversary-of-the-withdrawal-of-Soviet-forces-from-Afghanistan-at-the-Memorial-Complex-To-the-Sons-of-the-Motherland-the-Eternal-Memory-in-Chisinau-Moldova-Under-the-April-1988-Geneva-agreements-the-Soviet-Union-started-the-withdrawal-of-its-forces-from-Afghanistan-on-May-15-1988-which-was-completed-on-February-15-1989-According-to-official-sources-over-14-000-Soviet-soldiers-and-officers-were-killed-in-action-during-the-war-which-officially-lasted-9-years
Alexandru Munteanu ist eigentlich Ökonom und Investmentbanker. (Foto: IMAGO/SNA)

Vergangenes Jahr gewinnt die pro-europäische Partei in Moldau klar gegen ein pro-russisches Bündnis. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt wirft Ministerpräsident Munteanu nun hin. Kurz zuvor werden Korruptionsvorwürfe laut. Präsidentin Sandu droht eine Zerreißprobe.

In der Republik Moldau hat Ministerpräsident Alexandru Munteanu nach etwas mehr als acht Monaten Amtszeit überraschend seinen Rücktritt erklärt. "In dem Moment, als mir klar wurde, dass ich mein Mandat nicht mehr im Einklang mit meinen Grundsätzen und Überzeugungen ausüben kann, habe ich mich entschieden, zurückzutreten", schrieb der Regierungschef auf Facebook.

Einen konkreten Anlass nannte der 62-Jährige nicht. Der parteilose Ökonom und Investmentbanker hatte das Amt erst im November 2025 angetreten. Sein Rücktritt zieht automatisch das Aus der gesamten Regierung nach sich. In den Medien wird über einen Zusammenhang mit jüngsten Skandalen spekuliert. Da ging es um gefälschte Zeugnisse des Chefs der Flugsicherheitsbehörde Moldatsa und Bestechungsgelder bei Staatsangestellten sowie hoch bezahlten Jobs einer Cousine von Präsidentin Maia Sandu.

Sandu versuchte auf einer Pressekonferenz den Verdacht der Einflussnahme auszuräumen. "Er hatte die uneingeschränkte Freiheit, die Regierung so zu führen, wie er es für richtig hielt", sagte sie laut dem Portal Newsmaker. Sie will nächste Woche nach Rücksprache mit den Parlamentsfraktionen einen neuen Kandidaten präsentieren. Ihre prowestliche Partei Aktion und Solidarität hat im Parlament die Mehrheit inne.

Der Schritt ist eine Herausforderung für Präsidentin Sandu und ihre pro-europäische Regierungspartei Aktion und Solidarität (PAS). Die PAS hatte bei der Parlamentswahl im September 2025 einen klaren Sieg gegen ein pro-russisches Bündnis errungen und damit ein Mandat zur Fortsetzung des EU-Beitrittskurses erhalten.

Sandu kündigte an, in der kommenden Woche Gespräche mit den Parlamentsfraktionen aufzunehmen, um rasch einen neuen Kandidaten für das Amt zu benennen. Die Republik Moldau, die zwischen der Ukraine und dem EU-Mitglied Rumänien liegt, hat den Status eines EU-Beitrittskandidaten. Das Land mit einer rumänischsprachigen Mehrheit ist politisch seit Langem zwischen pro-europäischen und pro-russischen Kräften zerrissen.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa/rts

Republik MoldauRücktritteRegierungMenschenrechteRegierungskriseEUMinisterpräsident