Mord an ukrainischem PolitikerMadrider Polizei nimmt Verdächtigen in Deutschland fest

Bei einem Attentat im Mai vergangenen Jahres wird nahe Madrid ein prorussischer ukrainischer Politiker erschossen. Ein Tatverdächtiger wird nun in Deutschland festgenommen - von spanischen Ermittlern mit Unterstützung des BKA.
Spanische und deutsche Polizisten haben im nordrhein-westfälischen Heinsberg einen Tatverdächtigen im Fall eines in Spanien ermordeten ukrainischen Ex-Abgeordneten festgenommen. Wie die spanische Polizei mitteilte, wurden Polizisten aus Madrid bei dem Zugriff in der Stadt nahe der niederländischen Grenze von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) unterstützt.
Der prorussische Ex-Abgeordnete Andrij Portnow war im Mai vergangenen Jahres in Pozuelo de Alcarcón, einem Vorort von Madrid, erschossen worden. Er gehörte früher dem ukrainischen Parlament an und war stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung unter dem Kreml-treuen früheren Staatschef Wiktor Janukowytsch.
Nach Angaben der spanischen Polizei wurde mit dem Zugriff in Heinsberg ein europäischer Haftbefehl vollstreckt. Auch sei die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht worden. Angaben zu dem Verdächtigen sowie zum Datum der Festnahme machte die spanische Polizei nicht. Von seiten des BKA liegen bisher keine Informationen zu dem Einsatz vor.
Der 51-jährige Portnow war am 21. Mai vor einer Schule erschossen worden, nachdem er dort seine Kinder abgeliefert hatte. Kurz nach dem Verbrechen hatten die spanischen Behörden den Verdacht geäußert, dass es einen Bezug zur Organisierten Kriminalität geben könnte.
Portnow hatte sich nach dem Sturz von Janukowytsch im Jahr 2014 nach Russland abgesetzt und sah sich in der Ukraine Ermittlungen wegen des Vorwurfs des Hochverrats und der Veruntreuung sowie internationalen Sanktionen ausgesetzt. Die Anschuldigungen wurden später jedoch fallen gelassen. Nach der Wahl von Wolodymyr Selenskyj zum Präsidenten 2019 kehrte er in sein Heimatland zurück. Nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 gelang es Portnow laut Medienberichten, dank seiner Beziehungen zu einflussreichen Kreisen das Land wieder zu verlassen - obwohl dies Männern im wehrfähigen Alter verboten war.