Politik

Während er im Koma lag Moskau lässt Nawalnys Vermögen einfrieren

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Alexej Nawalny muss sich nach wie vor von dem Giftanschlag Ende August erholen.

(Foto: dpa)

32 Tage wird Alexej Nawalny in der Berliner Charité behandelt, davon 24 auf der Intensivstation. In dieser Zeit veranlassen russische Behörden unter anderem die Beschlagnahmung seiner Moskauer Wohnung. Der Kreml-Kritiker hat vor, in einigen Wochen in seine Heimat zurückzukehren.

Die russischen Behörden haben die Bankkonten des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny nach Angaben seiner Sprecherin eingefroren. Zudem sollen Gerichtsvollzieher in Moskau seine Wohnung beschlagnahmt haben. Das sei ein weiteres Negativbeispiel für das Vorgehen der russischen Justiz, die sich zu dem Schritt entschlossen habe, als der 44-Jährige in Deutschland im Koma gelegen habe, sagte Kira Jarmysch in einem auf Twitter veröffentlichten Videoclip.

Ein Gericht hatte Nawalnys Fonds zur Bekämpfung von Korruption (FBK) mit einer Strafe von 88 Millionen Rubel (rund eine Million Euro) belegt, nachdem die Juristin Ljubow Sobol einen Skandal bei der Abwicklung eines Staatsauftrags für die Schulspeisung aufgedeckt hatte. Nawalnys Anteil liege bei rund 30 Millionen Rubel, hieß es, weshalb es die Gerichtsvollzieher jetzt auf Nawalnys Eigentum abgesehen haben. Nach seiner Rückkehr kann Nawalny in der Wohnung zwar wohnen. Aber er kann sie zum Beispiel nicht mehr verkaufen, wie Jarmysch erklärte. Die Wohnung liegt im bevölkerungsreichsten Moskauer Stadtviertel Maryino.

Der FBK nimmt seit Langem Machenschaften des Milliardärs Jewgeni Prigoschin unter die Lupe, der einst Koch bei Kremlchef Wladimir Putin war und nun immer wieder lukrative Aufträge etwa in der Schulspeisung bekommt. Nawalnys Team wirft Prigoschin nicht nur Korruption vor, sondern hinterfragte auch die Qualität des Essens, nachdem bei Kindern massive Gesundheitsprobleme aufgetreten waren. Prigoschin klagte und gewann das Verfahren in den in Russland als käuflich verschrienen Gerichten.

Nawalnys Sprecherin sagte, dass sich auch im Fall der umstrittenen Schulspeisung die Justiz nicht um die Gesundheit der Kinder kümmere, sondern lediglich um Prigoschin. Der Unternehmer, der immer wieder ins Visier von Nawalny gerät, gilt aus Sicht des Teams als ein möglicher Hintermann des Giftanschlags auf Nawalny. Der Unternehmer hatte die medizinische Behandlung seines Kritikers in der Berliner Charité bezahlen wollen, allerdings wurde das Geld zurücküberwiesen.

Lähmungserscheinungen und Gleichgewichtsprobleme

Nawalny hält sich nach wie vor in Deutschland auf und erholt sich von einem Giftanschlag. Der ihm nahe stehende Aktivist Jaka Bizilj hatte zuvor bekannt gegeben, dass der Kreml-Kritiker nach Russland zurückkehren wolle. Der 44-Jährige brauche aber noch mindestens einen Monat, um sich zu erholen. "Er ist immer noch nicht wieder zu hundert Prozent wie vorher", sagte der Filmproduzent und Gründer der Organisation Cinema for Peace in Berlin. Nawalnys Team habe deutlich gemacht, dass der Oppositionspolitiker nach Russland zurückkehren und sein Engagement dort fortsetzen werde.

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Biziljs Organisation hatte maßgeblich dabei geholfen, Nawalny nach der Vergiftung aus Russland zur Behandlung in die Berliner Charité zu bringen. Inzwischen hat Nawalny das Krankenhaus verlassen. Er war am 20. August auf einem russischen Inlandsflug zusammengebrochen und nach einer Notlandung zunächst im sibirischen Omsk behandelt worden. Am 22. August wurde er zur Behandlung in der Charité nach Berlin ausgeflogen.

Die Bundesregierung erklärte nach Tests in einem Speziallabor der Bundeswehr, Nawalny sei mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet worden. Er wurde 32 Tage in der Klinik behandelt, 24 Tage lag er auf der Intensivstation. Nach seiner Entlassung am Dienstag erklärte Nawalny, er werde jetzt täglich zur Krankengymnastik gehen und womöglich ein Rehabilitationszentrum aufsuchen. Er lerne wieder, Gleichgewicht zu halten, indem er auf einem Bein stehe. Seine linke Hand sei noch teilweise gelähmt.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/rts