Politik

"Das steht nicht zur Debatte" Nahles kontert Schäubles Rentenvorschlag

64509454.jpg

Bis 2030 soll das Rentenniveau auf 43 Prozent des Durchschnitteinkommens sinken.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil die Gesellschaft immer älter wird, bringt Bundesfinanzminister Schäuble ein höheres Renteneintrittsalter ins Spiel, um die Gesundheitskassen zu entlasten. Abgestimmt war der Vorschlag offenbar nicht: Aus dem Bundesarbeitsministerium kommt das Veto.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles lehnt die Forderung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nach einem späteren Rentenbeginn ab. "Das ist kein abgestimmter Vorschlag der Bundesregierung", sagte eine Sprecherin ihres Ministeriums. "Das steht nicht zur Debatte."

Schäuble hatte sich angesichts der älter werdenden Gesellschaft für einen späteren Rentenbeginn in Deutschland ausgesprochen. Er glaube, es sei relativ sinnvoll, die Lebensarbeitszeit und die Lebenserwartung in einen fast automatischen Zusammenhang auch in der Rentenformel zu bringen, sagte der Minister. Die drohende Kostenexplosion werde die Gesellschaft noch "bitter schwer" beschäftigen.

Auch der Deutsche Gewerkschafsbund (DGB) ist von Schäubles Vorschlag nicht begeistert. "Jetzt eine Debatte über ein höheres Rentenalter loszutreten, ist ein billiges Ablenkungsmanöver des Bundesfinanzministers", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Damit ist die Rente nicht zukunftsfähig zu machen, sondern die Leistungen werden noch weiter verschlechtert."

Rente mit 70 ab 2100

Die Junge Union unterstützt den Plan dagegen, das Rentenalter ab 2030 schrittweise von 67 auf 70 Jahre anzuheben. "Um das Rentenniveau künftig nicht so weit absenken zu müssen, dass immer weniger Menschen davon leben können, sollten wir das Renteneintrittsalter an die steigende Lebenserwartung koppeln", sagte JU-Chef Paul Ziemiak der "Rheinischen Post". Ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren soll demnach erst im Jahr 2100 erreicht sein.

Unterstützung bekam Schäuble auch vom Parteikollegen und deutschen EU-Kommissar Günther Oettinger. "Wir haben einen Fachkräftemangel und müssen in den nächsten Jahren über die Rente mit 70 sprechen", sagte Oettinger den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

In der großen Koalition wird derzeit über die Zukunft der Rente diskutiert. Dabei steht besonders das Niveau der Altersvorsorge im Mittelpunkt - es soll von aktuell 47 Prozent des Durchschnitteinkommens auf 43 Prozent im Jahr 2030 sinken. Bundesarbeitsministerin Nahles arbeitet nach eigenen Angaben bereits an einem neuen Rentenkonzept. Darin will sie auch die demografische Entwicklung berücksichtigen.

Quelle: n-tv.de, chr/AFP/dpa