Politik

US-Flugzeugträger nach Norwegen Nato vergrößert Riesen-Manöver noch einmal

AP_02042804598.jpg

Bis zu 85 Flugzeuge finden auf dem US-Flugzeugträger "Harry S. Truman" Platz.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In wenigen Wochen beginnt die größte Militärübung der Nato seit fast 30 Jahren. Nun wird das Manöver "Trident Juncture" noch einmal erweitert - die USA senden einen Flugzeugträger an die norwegische Küste. Mit Russland habe das nichts zu tun, sagt ein Nato-General.

Die Nato weitet ihr baldiges Großmanöver "Trident Juncture" nochmals aus. An der größten Übung der Militärallianz seit dem Kalten Krieg werde auch der US-Flugzeugträger "Harry S. Truman" teilnehmen, sagte US-Admiral James Foggo im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Damit steige die Zahl der teilnehmenden Soldaten um 6000 auf gut 50.000. Das Bündnis wies zurück, dass sich die Ende Oktober beginnende Übung gegen Russland richte. Die "Harry S. Truman" war zuletzt mit ihren zahlreichen Begleitschiffen im Mittelmeer unterwegs und dort an Angriffen auf den IS beteiligt.

AP_03031903910.jpg

Die "USS Harry S. Truman" ist voll beladen 97.000 Tonnen schwer und wird von zwei Nuklearreaktoren angetrieben.

(Foto: AP)

"Trident Juncture 18" findet vom 25. Oktober bis zum 7. November in Norwegen statt. Simuliert wird der Angriff auf einen Verbündeten und die Anrufung der Beistandsklausel nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. Das Manöver soll die Fähigkeit der Nato testen, schnell Truppen aus anderen Teilen Europas und aus Nordamerika zusammenzuziehen.

Tausende deutsche Soldaten mit dabei

Bisher hatte das Bündnis von rund 45.000 Soldaten gesprochen. Die Zahl erhöht sich nun nochmals durch den US-Flugzeugträger und Begleitschiffe. Insgesamt wird das Bündnis etwa 150 Flugzeuge, 60 Schiffe und mehr als 10.000 Militärfahrzeuge einsetzen. Deutschland wird nach eigenen Angaben von Ende September mit etwa 10.000 Soldaten an dem Nato-Großmanöver beteiligt sein. Nun war im Nato-Hauptquartier von 1500 Mann weniger die Rede. Hinzu kommen unter anderem rund 4000 Fahrzeuge. Dass die Bundeswehr so stark beteiligt ist, liegt daran, dass sie ab Anfang 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato (Very High Readiness Joint Task Force - VJTF) übernehmen soll.

94770035.jpg

Im September 2017 hielten Russland und Weißrussland ein gemeinsames Manöver ("Zapad 17") an der Grenze zum Baltikum ab - was dort Ängste vor Russland bestärkte.

(Foto: Vayar Military Agency / dpa)

Übungsgebiet sind Mittel- und Ost-Norwegen, "umgebende Gebiete im Nordatlantik und in der Ostsee, einschließlich Island und dem Luftraum über Finnland und Schweden". Die beiden skandinavischen Länder gehören nicht der Nato an, sind aber Partnerstaaten der Militärallianz. Die Nato hat seit dem Konflikt mit prorussischen Separatisten in der Ukraine und der Annexion der Krim durch Russland ihre Präsenz in Osteuropa massiv verstärkt. Gleichzeitig baute das Militärbündnis seine Reaktionsfähigkeit und die Möglichkeiten zur schnellen Truppenverlegung im Krisenfall aus.

Vor allem Polen sowie die baltischen Alliierten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich von der aktuellen Politik des großen Nachbarn verstärkt bedroht und fordern Aufrüstung und mehr Abschreckung. Der für die Übung zuständige norwegische General Rune Jakobsen wies jedoch zurück, dass sich das Szenario gegen Russland richte. Das "Kerngebiet" der Übung befinde sich "1000 Kilometer von der russischen Grenze entfernt", sagte er. Einsätze der Luftwaffe fänden in 500 Kilometer Abstand statt. "Es sollte keinen Grund für die Russen geben, Angst zu bekommen", sagte der General.

"Kein Zufall", dass es vor russischer Küste stattfindet

Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Nato-Diplomaten allerdings zugleich, dass es natürlich kein Zufall sei, dass die Übung in einem Land ausgerichtet wird, das an Russland grenzt. Sie verweisen dabei auch darauf, dass das Kernland der früheren Sowjetunion zuletzt wieder intensiv für großformatige Konflikte trainiert habe. An dem jüngsten russischen Großmanöver Wostok (Osten) sollen nach Angaben aus Moskau beispielsweise knapp 300.000 Soldaten teilgenommen haben.

In der ersten Runde des bevorstehenden Nato-Manövers werden nach Bündnisangaben von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete "südliche Kräfte" einen Angriff von "nördlichen Kräften" abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario dann einen Gegenangriff der "südlichen Kräfte" auf die "nördlichen Kräfte" vor.

Die letzten Nato-Manöver, die größer waren als die bevorstehende Ausgabe von "Trident Juncture", fanden nach Angaben von Nato-Diplomaten vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 statt. Damals gab es unter anderem noch die "Reforger" abgekürzte Manöverreihe "Return of Forces to Germany" (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125.000 Soldaten beteiligt.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP