Das erste Mal seit 1999Nato will Präsenz im Kosovo reduzieren

Die Nato ist seit über 25 Jahren im Kosovo stationiert, nun soll der Schutztrupp dort in Teilen abgezogen werden. Es ist ein kleiner Schritt Richtung Frieden im seit Jahrzehnten schwelenden Kosovo-Konflikt. Nicht alle begrüßen den Schritt.
Die Nato-Schutztruppe für das Kosovo hat angekündigt, erstmals seit Beginn der Kosovo Force-Mission (KFOR) die Präsenz an zwei Schlüsselpositionen zurückzufahren. Zur Begründung führte die KFOR in einer Mitteilung unter anderem die "verbesserte Sicherheitssituation" am serbisch-orthodoxen Kloster Visoki Decani an. Fortan sollten kosovarische Polizisten in die dortige "Sicherheitsarchitektur" integriert werden, hieß es. Bei der ständigen Truppenpräsenz an einer Brücke in der zwischen Kosovo-Serben und Kosovo-Albanern geteilten Stadt Mitrovica solle demnach "mit einem Übergang begonnen" werden.
Die Nato-Mission im Kosovo läuft seit 1999. Ziel ist, es ein sicheres Umfeld für den Aufbau einer zivilen Friedensordnung zu schaffen und zu erhalten sowie die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu garantieren. 2023 war das KFOR-Kontingent nach gewalttätigen Zwischenfällen mit paramilitärischen serbischen Separatisten um 1000 Soldatinnen und Soldaten verstärkt worden.
Das Nato-Kontingent umfasst nach Angaben vom April rund 4600 Soldatinnen und Soldaten. Die Bundeswehr beteiligt sich derzeit mit rund 300 Soldatinnen und Soldaten an der Mission. Im Juni kündigte die Nato bereits an, angesichts der "allgemein stabilen" Sicherheitslage im Kosovo ihre Stärke im Laufe des nächsten Jahres schrittweise anzupassen.
Nato-Soldaten bewachen Brücke in Mitrovica seit 27 Jahren
Das aus dem 14. Jahrhundert stammende und zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Kloster Visoki Decani soll den Angaben zufolge weiter 24 Stunden am Tag unter Bewachung der Nato stehen. Der Ort ist vielen Serben heilig. In der Vergangenheit waren serbisch-orthodoxe Stätten im Kosovo von Extremisten angegriffen worden. "KFOR bleibt die erste Anlaufstelle für die Sicherheit von Visoki Decani", hieß es in der Mitteilung der Schutztruppe.
Die Brücke in Mitrovica gilt als Symbol für die ethnische Teilung der Stadt. In Norden der Stadt leben vorwiegend Kosovo-Serben und im Süden der vorwiegend Stadt Kosovo-Albaner. Sie wird seit 27 Jahren von der KFOR bewacht und war wiederholt Schauplatz von Auseinandersetzungen.
Truppenrückzug soll "schrittweise erfolgen"
Laut KFOR soll der Truppenrückzug "schrittweise erfolgen, je nach den Bedingungen vor Ort". Örtlichen Medienberichten zufolge waren ein seit Jahren von italienischen Carabinieri besetzter Posten und ein Zelt auf der größtenteils von Kosovo-Serben bewohnten Nordseite der Stadt verschwunden. Auf der Südseite der Brücke waren demnach aber weiterhin Carabinieri stationiert.
Die größte serbische Partei "Srpska Lista", Kosovo kritisierte den Rückzug von der Brücke und forderte Gespräche mit der KFOR, um die Präsenz zu erhalten. Kosovo hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, was Belgrad bis heute nicht anerkennt.