Politik

Krawalle in Heidenau Neonazi bewachte Flüchtlingsheim

RTX1PFDY.jpg

Sicherheitsleute der Firma Securitas bewachen die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau.

(Foto: REUTERS)

Wegen rechtsextremer Krawalle wird die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau bewacht. Nun stellt sich heraus, dass einer der Sicherheitsleute möglicherweise selbst ein Neonazi ist. Auf Facebook bekennt er sich zu NPD-Werbespots und hetzt gegen Flüchtlinge.

Es waren die schwersten Ausschreitungen von rechten Demonstranten gegen Asylbewerberheime seit den 1990er Jahren. Tagelang musste die Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau wegen rassistischer Übergriffe bewacht werden. Laut einem Zeitungsbericht soll zum Wachschutzpersonal ausgerechnet ein Neonazi und Hooligan gehört haben.

Der 22-jährige Dresdner Philipp B., der sich auf Facebook zur rechtsextremen NPD und zur rechtslastigen Hooligan-Gruppierung Army of Dresden West bekenne, sei vom Antifa Recherche Team Dresden am Tor der Erstaufnahmeeinrichtung Heidenau wiedererkannt worden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Ein Foto zeigt den Mann demnach bei der Einlasskontrolle am Gelände des ehemaligen Baumarkts, auf dem seit dem 21. August 250 Flüchtlinge untergebracht wurden. Auch rund um den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Heidenau vor einer Woche soll B. als Sicherheitsmann im Flüchtlingsheim im Einsatz gewesen sein, schreibt die "SZ".

"Kastration und Zwangsausweisungen"

In der sächsischen Kleinstadt Heidenau hatten vor knapp zwei Wochen hunderte Rechtsextreme vor einer behelfsmäßigen Flüchtlingsunterkunft randaliert. Mehr als 30 Polizisten wurden verletzt.

Die NPD hatte zu Protesten aufgerufen, im Anschluss daran kam es zu den Ausschreitungen. Vor Ort war laut "SZ" auch der ehemalige NPD-Landtagsabgeordnete Rene Despang. Sowohl mit Rene Despang als auch mit dem NPD-Bundesparteivorstand Jens Pühse sei der Security-Mitarbeiter Philipp B. bei Facebook befreundet.

Dort hetze er auch gegen Flüchtlinge, indem er sie als "Asylschmarotzer" bezeichne und "Kastration und Zwangsausweisungen" für kriminelle Ausländer unterstütze. Einen NPD-Werbespot zur Bundestagswahl 2013 bezeichnete er dem Bericht zufolge als "sehr gelungen".

Wachmann gefeuert

Philip B. ist mittlerweile entlassen worden. "Gegenüber rechten oder gar fremdenfeindlichen Tendenzen haben wir eine Null-Toleranz-Politik", sagte der Sprecher der Sicherheitsfirma "Securitas", Bernd Weiler. B. habe für einen Subunternehmer von Securitas gearbeitet, der kurzfristig hinzugezogen worden sei. "Securitas" hatte laut Weiler vor dem Dienstantritt des Mannes in Heidenau die Personalunterlagen sowie polizeiliche Führungszeugnisse geprüft. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben.

Es wäre nicht der erste Fall dieser Art. Auch in den Flüchtlingsunterkünften in Burbach und Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen haben Sicherheitsleute Flüchtlinge misshandelt und ihre Übergriffe auf Video dokumentiert.

Quelle: n-tv.de, dsi/AFP

Mehr zum Thema