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Neue Erkenntnisse im Fall Lübcke Neonazi soll Stephan E. Waffen vermittelt haben

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Walter Lübcke (1953 - 2019)

(Foto: dpa)

Bei den Ermittlungen zum Mord an dem CDU-Politiker Lübcke stoßen Fahnder auf Verbindungen, die in die Kasseler Neonazi-Szene und ins Umfeld der NSU-Morde führen. Zwei Männer sollen Stephan E. mit Waffen versorgt haben. Belege für ein rechtes Terrornetzwerk sehen die Behörden dennoch nicht.

Neue Erkenntnisse im Mordfall Lübcke: Nach der Festnahme der beiden mutmaßlichen Helfer von Stephan E. geht die Bundesanwaltschaft trotz der Verbindungen des Hauptverdächtigen in die Neonazi-Szene nicht von der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung aus. Dafür gebe es bislang keine Anhaltspunkte, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwalts.

Bei einem der beiden neuen Verdächtigen handelt es sich seinen Angaben zufolge um einen 64-Jährigen namens Elmar J. aus dem Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen. Er soll Stephan E. im Jahr 2016 die spätere Tatwaffe verkauft haben. Er sei am Mittwochnachmittag festgenommen worden, bestätigte der Behördensprecher. Der zweite Festgenommene ist demnach der 43-Jähriger Markus H. aus dem Raum Kassel. Der einschlägig bekannte Neonazi soll den Kontakt zwischen Stephan E. und dem Elmar J. hergestellt haben.

"Wir gehen davon aus, dass die beiden Beschuldigten von der rechtsextremistischen Gesinnung des Stephan E. Bescheid wussten", sagte der Sprecher. Bislang bestünden jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass die beiden von den konkreten Anschlagsplänen Kenntnis gehabt hätten, betonte er. Stephan E. hat bereits gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke Anfang Juni getötet zu haben.

Recherchen des ARD-Politikmagazins "Panorama" hatten zuvor brisante Verbindungen in die Kasseler Neonazi-Szene aufgedeckt. Markus H. war den ARD-Informationen zufolge bereits 2006 im Zusammenhang mit dem Mord an Halit Yozgat in Kassel als Zeuge vernommen worden. Wie sich später herausstellte, war Yozgat ein Opfer der Terrorgruppe NSU. H. soll das Mordopfer Yozgat persönlich gekannt haben.

Einschlägig bekannter Verdächtiger

Markus H. gehörte nach Darstellung der "Panorama"-Reporter seit Jahren zur Kasseler Neonazi-Szene und war zudem jahrelang auch bei einer rechtsextremen Organisation namens "Freier Widerstand Kassel" aktiv. Unter dem Pseudonym "Stadtreiniger" soll er bereits vor mehr als zehn Jahren Hasskommentare auf den Internetseiten einer Lokalzeitung veröffentlicht haben. Dabei soll er auch eine gewisse Nähe zum Gedankengut aus der "Reichsbürger"-Szene offenbart haben. "Die BRD ist nicht Deutschland", hieß es dort etwa.

"Wenn ich mir das so recht überlege, sollte es wieder eine Reichskristallnacht geben", zitierte die ARD einen Online-Eintrag, der unter dem Namen "Stadtreiniger" im internen Forum des "Freien Widerstands Kassel" veröffentlicht worden war. Damals soll H. schon über die Beschaffung von Waffen und Sprengstoff diskutiert haben.

Im Jahr 2006 war H. den Sicherheitsbehörden aufgrund von "Sieg Heil"-Rufen und dem Zeigen des Hitlergrußes in einer Kneipe aufgefallen. Dafür wurde er später zu einer Geldstrafe verurteilt. Am 1. Mai 2009 soll Markus H. den Recherchen zufolge zusammen mit rund 400 Neonazis in Dortmund gewesen sein, als Rechtsextremisten eine Gewerkschafts-Kundgebung attackierten. Auch Stephan E. war damals dabei. Er wurde deswegen 2010 wegen Landfriedensbruch verurteilt. Wie aus dem Umfeld von Stephan E. verlautete, soll Markus H. bis in die jüngste Zeit Kontakt zu dem mutmaßlichen Täter gepflegt haben.

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Quelle: n-tv.de, mmo

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