Politik
Besonders enthusiastisch wirken die Feierlichkeiten im Herzen Pjöngjangs nicht.
Besonders enthusiastisch wirken die Feierlichkeiten im Herzen Pjöngjangs nicht.(Foto: dpa)
Samstag, 02. Dezember 2017

Party als Machtdemonstration: Nordkorea feiert seinen Raketentest

Am Mittwoch testet Nordkorea seine bisher jüngste Rakete. Die Bevölkerung - freiwillig oder nicht - ist davon begeistert: Im Zentrum von Pjöngjang versammeln sich tausende Menschen und zelebrieren die "Macht und Großartigkeit" ihres Landes.

In Nordkorea haben den Staatsmedien zufolge tausende Menschen den jüngsten Raketentest des Landes gefeiert. Wie auf Fotos der Parteizeitung "Rodong Sinmun" zu sehen war, versammelten sich tausende Soldaten und Zivilisten auf dem Kim-Il-Sung-Platz in der Hauptstadt Pjöngjang, der mit riesigen Porträts des ehemaligen Machthabers dekoriert war.

"Wir feiern den erfolgreichen Test einer Hwasong-15, welcher der ganzen Welt Nordkoreas Macht und Großartigkeit gezeigt hat", war demnach auf einem Spruchband bei der Veranstaltung vom Freitag zu lesen.

Nordkorea hatte am Mittwoch eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 getestet. Das gesamte US-Festland liege damit in Reichweite nordkoreanischer Raketen, teilte Pjöngjang anschließend mit. Kim Jong Un, der Enkelsohn von Kim Il Sung, erklärte, der Test habe seinem Land geholfen, das Ziel einer Atommacht zu erreichen.

Grund der Feierlichkeiten: die Hwasong-15. Sie soll das gesamte US-Festland erreichen können.
Grund der Feierlichkeiten: die Hwasong-15. Sie soll das gesamte US-Festland erreichen können.(Foto: dpa)

Kim selbst blieb den Propaganda-Feierlichkeiten in Pjöngjang fern. Ranghohe Vertreter aus Militär, Partei und Regierung waren aber vor Ort. Der Vize-Vorsitzende des Zentralkomitees der Partei der Arbeit, Pak Kwang Ho, sagte in einer Ansprache, die USA seien vom Erstarken von Nordkoreas nuklearer Kraft "erschüttert" worden und könnten versuchen, provokative Schritte zu unternehmen. Er wiederholte Kims Warnung, dass Nordkorea mit den "härtesten Gegenmaßnahmen der Geschichte" reagieren werde.

Südkorea meldet Erdbeben

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Die südkoreanische Wetterbehörde meldete unterdessen ein natürliches Erdbeben der Stärke 2,5 in der Nähe des nordkoreanischen Atomtestgeländes Punggye Ri. Das Beben im Nordosten des Landes sei das Vierte dieser Art seit Pjöngjangs letztem und bisher stärkstem Atomwaffentest am 3. September, erklärte die Behörde.

Das Ausland war damals durch ein künstliches Erdbeben der Stärke 6,3 auf den Test aufmerksam geworden. Pjöngjang meldete anschließend die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die sich auch als Raketensprengkopf nutzen lasse. Nordkorea hat nach eigenen Angaben seit 2006 sechs Atomwaffentests vorgenommen.

"Tired Mountain Syndrome"

Punggye Ri ist ein weitläufiges Areal mit zahlreichen Tunneln und Testanlagen in den Bergen der Provinz Nord-Hamgyong. Laut der renommierten Website "38 North" leidet das Gestein nach den unterirdischen Atomtests unter dem sogenannten "Tired Mountain Syndrome" (Müder-Berg-Syndrom). Gemeint ist, dass das Gestein durch die Waffentest zersplittert und zunehmend durchlässig wird.

International sorgen die nordkoreanischen Atomwaffen- und Raketentests für große Beunruhigung. Als Reaktion auf den jüngsten Test hatte US-Präsident Donald Trump "bedeutende Strafmaßnahmen" gegen das isolierte Land angekündigt.

Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, warnte Nordkorea in einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, "im Falle eines Kriegs" würde die Führung in Pjöngjang "vollkommen zerstört". Als Reaktion auf Nordkoreas sechsten Atomwaffentest hatte der UN-Sicherheitsrat erst im September ein achtes Sanktionspaket gegen Pjöngjang beschlossen.

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Quelle: n-tv.de