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Wut nach Anschlag auf Familie Palästinenser schwören Rache

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Bei der Beerdigung des kleinen Ali Dawabscha, der nur 18 Monate alt wurde, schworen viele Teilnehmer Rache.

(Foto: dpa)

Die Stimmung im Westjordanland ist explosiv: Ein kleiner Junge stirbt, als jüdische Extremisten das Haus einer palästinensischen Familie anzünden. Nun gibt es Krawalle in mehreren Städten. Die israelischen Behörden geben sich selbstkritisch.

Nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine Familie ist es im Westjordanland zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. In Hebron bewarfen Hunderte Anhänger der Hamas israelische Soldaten mit Steinen. Zu Ausschreitungen kam es nach Polizeiangaben auch nahe der Jerusalemer Altstadt. Dabei sei ein Beamter leicht verletzt worden.

Der Brandanschlag auf das Haus im Dorf Duma nahe Nablus wurde vermutlich von jüdischen Extremisten begangen. Dabei kam ein Junge im Alter von eineinhalb Jahren ums Leben. Sein vierjähriger Bruder und die Eltern erlitten schwere Brandverletzungen und wurden in ein israelisches Krankenhaus geflogen. Die Eltern schweben nach einem Bericht von "ynet" in Lebensgefahr.

Die Hamas forderte Vergeltung. Auch bei der Beisetzung des kleinen Jungen schworen Hunderte Teilnehmer Rache. Im Westjordanland schoss ein Unbekannter auf ein israelisches Auto. Aus Furcht vor Krawallen wurden zu den Freitagsgebeten in der Jerusalemer Al-Aksa-Moschee nur Männer im Alter über 50 sowie Frauen durchgelassen.

"Anschlag war eine Frage der Zeit"

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte die Tat und sprach von einem Terroranschlag. Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alles zu unternehmen, um die Täter zu fassen und vor Gericht zu stellen. Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb in einer Mitteilung an arabische Medien, Israel habe jüdischen Terrorismus bislang offenbar nicht genug geahndet.

Nach Angaben der israelischen Armee wird intensiv nach den Tätern gesucht. Armeesprecher Arye Shalicar sagte, mehrere Infanterie-Einheiten seien an der Suche beteiligt. Der Anschlag sei "die höchste Form von Extremismus", sagte Shalicar. "Wir dürfen so etwas absolut nicht tolerieren."

Die Menschenrechtsorganisation Betselem warf den israelischen Behörden vor, Palästinenser nicht genug vor Siedlerangriffen zu schützen. Der tödliche Anschlag sei "nur eine Frage der Zeit gewesen", so die Organisation. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas machte die israelische Regierung für die Tat verantwortlich. Er sprach im palästinensischen Fernsehen von einem "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".

EU warnt vor neuer Gewaltspirale

Auch die Bundesregierung und die Europäische Union verurteilten den Anschlag. "Die Brutalität, mit der die Familien in ihren Wohnhäusern mit Brandsätzen angegriffen wurden, ist schockierend", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Man begrüße es, dass die israelische Regierung die Tat einhellig und unmissverständlich ächte.

In einer Mitteilung der EU hieß es, der Vorfall verdeutliche, dass eine politische Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts dringend nötig sei. Die EU rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf, um eine Gewaltspirale zu verhindern. Israel müsse außerdem, "null Toleranz" gegenüber Angriffen jüdischer Extremisten zeigen.

Quelle: n-tv.de, nsc/rts/dpa

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