Politik

Reaktor Nummer eins abgeschaltet Pannen-AKW Fessenheim geht vom Netz

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Das Atomkraftwerk Fessenheim liegt in einem Erdbebengebiet nahe der deutschen Grenze.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das französische Atomkraftwerk Fessenheim liegt in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze. Immer wieder kommt es dort zu technischen Störungen. Nach jahrelangem Druck aus Berlin beginnt nun die Abschaltung des ersten Reaktors. Mitarbeiter des AKW kündigen Widerstand an.

Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim ist in der Nacht zum Samstag der erste der beiden Reaktoren erfolgreich vom Netz genommen worden. Wie geplant sei der Reaktor Nummer eins um etwa 02.00 Uhr abgeschaltet worden, teilte der Betreiber Electricité de France (EDF) mit.

Das nahe der deutschen Grenze gelegene Atomkraftwerk hatte vor 43 Jahren den Betrieb aufgenommen und war damit das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Deutschland und die Schweiz drängten seit Jahren auf seine Schließung.

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Bundesumweltministerin Svenja Schulze begrüßte die Abschaltung. Die Stilllegung mache auch Deutschland sicherer, erklärte Schulze bereits am Vormittag in Berlin. Der Schritt sei oft angekündigt worden, "jetzt ist es endlich soweit". In Deutschland stehe der Atomausstieg "felsenfest".

Die SPD-Ministerin fügte hinzu: "Aber wir werden nicht nachlassen, auch bei unseren Nachbarländern für eine Abkehr von der Atomkraft zu werben." Denn die Atomkraft sei kein Klimaretter. "Sie ist riskant, teuer und hinterlässt radioaktiven Abfall für Tausende Generationen." Erneuerbare Energien seien die "eindeutig bessere Lösung", erklärte Schulze.

In Deutschland sind noch sechs Atomkraftwerke am Netz: Grohnde und Emsland in Niedersachsen, Brokdorf in Schleswig-Holstein, Isar 2 und Grundremmingen in Bayern sowie Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg. Gemäß Atomgesetz werden die drei letzten Reaktoren spätestens Ende 2022 abgeschaltet.

AKW-Mitarbeiter drohen mit Blockierung

Die Abschaltung des 900-Megawatt-Druckwasserreaktors habe gegen 20.30 Uhr begonnen, teilte EDF mit. Der Reaktor werde nun schrittweise verlangsamt und solle in der Nacht zum Samstag vollständig vom Netz gehen. Mitarbeiter des Kraftwerks hatten allerdings im Vorfeld der geplanten Abschaltung mit einer Blockierung des Vorgangs gedroht. In diesem Fall könnte sich der Prozess um einige Stunden verschieben.

Frankreich beugt sich mit der Abschaltung dem jahrelangen Druck aus Deutschland und der Schweiz. Ursprünglich hatte die französische Regierung das Aus für das Akw Fessenheim bereits für Ende 2016 versprochen. Präsident Emmanuel Macron setzt den Plan nun um.

Am 30. Juni soll nach Angaben der französischen Regierung dann Block zwei endgültig abgeschaltet werden. Danach beginnt der Rückbau des Atomkraftwerks. Die Brennelemente sollen bis 2023 entfernt werden. Die Demontage des Meilers beginnt 2025 und könnte bis 2040 dauern. Deutschland und Frankreich haben vereinbart, in der Region Fessenheim einen Technologiepark zu errichten. Dafür sind Startgelder in Höhe von rund einer Million Euro vorgesehen.

 

Fessenheim liegt in einem Erdbebengebiet, das Kraftwerk ist gegen einen Flugzeugabsturz oder Anschlag unzureichend geschützt. Zudem kam es immer wieder zu Pannen.

Quelle: ntv.de, uzh/AFP