Politik

Unbeeindruckt von Dresdner Hass Pegida buht, Merkel bleibt cool

Der Besuch von Kanzlerin Merkel in Sachsen kommt dort sehr unterschiedlich an: In Dresden wird sie von Pegida-Anhängern ausgebuht, von Siemens-Mitarbeitern in Görlitz wird sie hingegen warm empfangen. Dort schlage ihr "Physikerherz" höher, sagt sie - und freut sich über gute Nachrichten für die Region.

Bei einem Besuch in Sachsen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in bester Verfassung präsentiert. Für ein paar Stunden besuchte sie am Nachmittag zunächst den Standort von Siemens in Görlitz. Die Kanzlerin besichtigte mit Siemens-Chef Josef Kaeser und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU Stationen der Dampfturbinen-Fertigung. Gut gelaunt und sichtlich entspannt fragte Merkel immer wieder nach Details.

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Beim Netzwerktreffen von Frauen in Dresden plädierte Merkel für "Parität an allen Stellen".

(Foto: picture alliance/dpa)

Später wurde Merkel in Dresden von Anhängern des islamfeindlichen Pegida-Bündnisses in Dresden ausgepfiffen und ausgebuht. Etwa 50 Leute schrien "Hau ab" und "Merkel muss weg" - also das, was Pegida-Demonstranten immer wieder bei Auftritten der Kanzlerin krakeelen. Pegida-Chef Lutz Bachmann hatte dafür eine Spontandemonstration in der Nähe des Albertinums angemeldet, wo Merkel am Abend an einem Netzwerktreffen von Frauen teilnahm und in diesem Zusammenhang für "Parität an allen Stellen" plädierte. Pegida marschiert an Montagen regelmäßig durch Dresden und macht Stimmung gegen Flüchtlinge und die Regierenden in Deutschland. Merkel zeigte sich davon unbeeindruckt.

In den vergangenen Wochen war viel über den Gesundheitszustand der Kanzlerin spekuliert worden, nachdem sie bei drei Auftritten im Stehen stark gezittert hatte. So absolvierte sie die Begrüßung der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen mit militärischen Ehren teilweise im Sitzen. Beide Frauen nahmen bei dem Treffen vergangene Woche während der Nationalhymnen auf Stühlen Platz. Bei der Parade zum französischen Nationalfeiertag in Paris am Sonntag, bei der Merkel lange stehen musste, zitterte sie nicht. In Görlitz war ihr ebenfalls kein Zeichen von Schwäche anzumerken.

Positives von Siemens in Görlitz

Im Gegensatz zum Empfang in Dresden war die Stimmung zuvor in Görlitz positiv, zumal Siemens Positives vermeldete. Der Konzern will mit dem Land Sachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft auf seinem Görlitzer Werksgelände einen Innovationscampus entwickeln. High-Tech-Firmen, Start-ups und Forschungsinstitute sollen sich dort ansiedeln. Damit sollen Investitionen von etwa 30 Millionen Euro und 100 neue Jobs verbunden sein. Geplant ist ein Labor, in dem Siemens und Fraunhofer die Wasserstoffforschung vorantreiben wollen.

Siemens-Chef Kaeser sagte, es gehe darum, sich auf die Zeit nach der Kohle vorzubereiten. Man habe viel über Strukturwandel gesprochen, jetzt sei es an der Zeit, zu handeln: "Wir haben keinen Planeten B." Der "grüne Wasserstoff" biete enorme Möglichkeiten. Einen Seitenhieb auf die AfD gab es auch: Die Investition sei ein Signal an diejenigen, "die Ängste und Sorgen der Menschen für ihre Zielen nutzen". Mit der Investition schaffe man "wirkliche Alternativen" für Görlitz und Ostsachsen.

Görlitz liegt in der Nähe des Lausitzer Braunkohlereviers, das vom geplanten Kohleausstieg betroffen ist. Merkel lobte das Engagement für Görlitz und zeigte sich von dem dort gefertigten Produkt fasziniert. Solche Präzisionsturbinen ließen ein "Physikerherz" höher schlagen. Wichtig sei, dass aus der Industrieregion eine Innovationsregion werde. Mit der Forschung zur Wasserstofftechnologie sei dafür ein Grundstein gelegt. Der Bund werde das begleiten.

Mitten in Merkels Besuch platzte die Rücktrittsankündigung ihrer Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von der CDU. Merkel zollte ihr Respekt. Von der Leyen habe sich für eine neue Etappe entschieden und wolle mit ganzer Kraft dafür eintreten, Kommissionspräsidentin in Brüssel zu werden: "Das freut mich. So kenne ich sie auch. Und dann werden wir alles Weitere sehen."

Quelle: n-tv.de, Simona Block und Jörg Schurig, dpa

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