Politik
Bernd Lucke muss jetzt nachdenken.
Bernd Lucke muss jetzt nachdenken.(Foto: imago/sepp spiegl)
Samstag, 04. Juli 2015

Alleinige Vorsitzende der AfD: Petry gewinnt Machtkampf gegen Lucke

Die Alternative für Deutschland wählt Frauke Petry zur neuen Parteivorsitzenden. Petry erhält beim außerordentlichen Bundesparteitag der AfD in Essen 60 Prozent der Stimmen. Sie vertritt den nationalkonservativen Flügel der 2013 gegründeten Partei.

Frauke Petry ist die neue erste Vorsitzende der Alternative für Deutschland. Die bisherige Co-Vorsitzende setzte sich in Essen gegen AfD-Mitbegründer Bernd Lucke mit 60 Prozent der Stimmen durch. Damit wird die sächsische Landesvorsitzende am Jahresende laut Satzung automatisch alleinige AfD-Chefin. Parteigründer Bernd Lucke hatte vorher angekündigt, er wolle sich im Falle eines Wahlsieges von Petry nicht um ein anderes Amt im Bundesvorstand bewerben.

Video

Petry, die auch Vorsitzende der AfD-Fraktion im sächsischen Landtag ist, gab sich nach ihrem Triumph nicht nur versöhnlich. "Wir sind und bleiben gemeinsam die Alternative für Deutschland", sagte sie und legte mit Blick auf den von Lucke gegründeten "Weckruf 2015" nach: "Eine solche Art von Vereinigung darf es künftig nicht mehr geben."

Zahlreiche Anhänger von Parteigründer Bernd Lucke hatten bereits vor der Abstimmung angekündigt, sie wollten die Partei verlassen, falls Petry die Führung übernehmen sollte.

Buhrufe und Beleidigungen

Lucke zeigte sich "enttäuscht" von dem Ergebnis und von der streckenweise aggressiven Stimmung im Saal. Während dessen Bewerbungsrede war es zu Tumulten unter den rund 3500 Mitgliedern des Parteitags gekommen. Insbesondere als sich Lucke gegen eine pauschale Verurteilung des Islams wandte, wurde er ausgebuht und niedergeschrien.

Er hatte vor dem Parteitag erklärt, im Falle einer Niederlage müsse der von ihm initiierte "Weckruf 2015" über das weitere Vorgehen beraten - "aber nicht mehr heute Abend", sagte Lucke unmittelbar nach der Niederlage und ließ damit Fragen nach einer möglichen Abspaltung vorerst offen. "Welche Konsequenzen der 'Weckruf' jetzt daraus ziehen wird und welche ich persönlich jetzt daraus ziehen werde, das entscheiden wir nicht spontan wenige Minuten nach der Wahl", sagte er. "Wir werden das in den nächsten Tagen beraten."

Der Machtkampf zwischen den Parteiflügeln und insbesondere Lucke und Petry ist bereits seit einem halben Jahr in Gang und wird äußert erbittert geführt.

"Gestritten, dass die Fetzen flogen"

Lucke übte in seiner auch Selbstkritik. "Statt parteiintern sachlich und problemorientiert zu diskutieren, ist uns die Sache entglitten, bis wir uns in aller Öffentlichkeit stritten, dass die Fetzen flogen", sagte er.

Konrad Adam, der im alten Vorstand neben Lucke und Petry der Dritte im Bunde war, erntete von den Parteimitgliedern viel Applaus für den Satz: "Als rechts gilt heute, wer einer geregelten Arbeit nachgeht, seine Kinder pünktlich zur Schule schickt und der Ansicht ist, dass sich der Unterschied von Mann und Frau mit bloßem Auge erkennen lässt."

Petry steht für den nationalkonservativen Flügel der Partei. Sie hält Lucke und dessen wirtschaftsliberalen Flügel im Kern eine thematische Verengung auf die Ablehnung der Euro-Rettungspolitik vor. Lucke wirft seinen Gegnern wiederum vor, die AfD nicht gegen das rechte Spektrum abzugrenzen. Vor der Halle demonstrierten einige Dutzend Angehörige linker Gruppen gegen die AfD.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen