Politik

Spaniens Polit-Stars ganz demütig Podemos ist in Andalusien nur Außenseiter

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Pablo Iglesias' Partei Podemos steht in Spanien vor einer schwierigen Aufgabe.

(Foto: REUTERS)

In Griechenland regiert Syriza, in Spanien soll im Herbst Podemos folgen. Die neue Überfliegerpartei muss zuvor ihre vielleicht größte Aufgabe bewältigen: Regionalwahlen in Andalusien. Dort erwischen sie die alten Parteien auf dem falschen Fuß.

Die neue spanische Protestpartei Podemos ("Wir können es") mischt Spanien auf - im Superwahljahr 2015 entscheidet sich, ob sie ihr höchstes Ziel erreichen kann. Im Herbst wählen die Spanier ein neues Parlament, dann will Podemos-Chef und Politik-Dozent Pablo Iglesias als neuer Ministerpräsident in den Regierungspalast Moncloa einziehen. Erst vor einer Woche konnte er sich in seiner Beliebtheit sonnen: Hunderttausend Menschen jubelten dem langhaarigen Politstar in Madrid zu. Laut einer offiziellen Umfrage liegt Podemos auf Platz zwei der Wählergunst, einer Befragung der Zeitung "El País" zufolge ist sie sogar die beliebteste Partei.

Doch bis zum Wahlsieg im Herbst ist es noch ein weiter Weg. Erste Hürde dorthin sind am 22. März die Regionalwahlen in Andalusien, mit 8,4 Millionen Einwohnern der größten Autonomen Gemeinschaft des Landes. Es ist eine der schwersten Aufgaben für die noch junge Partei, vielleicht gar die schwerste. Denn Andalusien ist so etwas wie das Kernland der alterwürdigen Sozialistischen Partei (PSOE). Seit Jahrzehnten stellt sie dort die Regierung, mittlerweile in Koalition mit der Linkspartei IU. Stärkste Kraft war bei den bislang letzten Wahlen 2012 allerdings die konservative Volkspartei PP.

Die Wahlen erwischen Podemos auf dem falschen Fuß - sie kommen viel früher als erwartet. Die sozialistische Regierungspräsidentin Susana Diaz hat sie kurzerhand um ein Jahr vorgezogen. Offiziell begründete die PSOE-Politikerin ihren Schritt damit, dass sie ihrem Koalitionspartner IU nicht mehr traut. In der Linkspartei hatte es Bestrebungen gegeben, neu über die Koalition abzustimmen, falls gewisse Gesetze nicht beschlossen würden. Diesem "Damoklesschwert" habe sie sich nicht länger aussetzen wollen, berichtet "El País". Bei Podemos ist man sich sicher: Das ging gegen uns.

Sozialisten sind im Süden stark

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Teresa Rodríguez (r.) sitzt mit vier weiteren Podemos-Politikern im Europaparlament.

(Foto: picture alliance / dpa)

Denn die junge Partei ist noch kaum in der Lage, im Süden einen Wahlkampf zu führen. Hastig wurde nach einem Kandidaten gesucht - mit Erfolg: Die Europaparlamentarierin Teresa Rodríguez soll für die Protestler auf Stimmenfang gehen. Eine heikle Entscheidung: Denn Podemos richtet sich nicht nur an Linke sondern fischt auch im Becken der weitaus gemäßigteren Sozialisten. Dass die einfach die Wahlen vorgezogen haben, sei ein weiterer "Beweis dafür wie die Sozialistische Partei in Andalusien die Wahlen für ihre Zwecke instrumentalisiere", sagte Rodríguez der Zeitung "El País". Tatsächlich ist der Zeitpunkt für die Sozialisten günstig. Podemos ist noch im Aufbau, die Konkurrenten von der PP sind durch zahlreiche Korruptionsskandale schwer angeschlagen. In von spanischen Zeitungen veröffentlichten Umfragen liegt die PSOE in Andalusien vor der PP auf Platz eins - Podemos auf Platz drei.

An einen Wahlsieg glauben daher nicht alle. Parteisekretär Luis Alegre gab dies sogar in einem Interview offen zu, wie "El País" berichtet. Später ruderte er zurück, sprach davon, sich schlecht ausgedrückt zu haben. Es werde zwar nicht leicht, aber trotzdem trete man mit größtem Ehrgeiz an, korrigierte er sich. Ein Patzer, der so gar nicht zur rhetorischen Linie der Partei "Wir können es" passte.

Dass die Sozialisten in Andalusien so stark sind, hat gute Gründe. Die Gegend ist von der Agrar-Wirtschaft geprägt.  Die Latifundien gehören meist Großgrundbesitzern, die ihre Erdbeeren, Tomaten und Paprika im großen Stil nach ganz Europa exportieren. Auf den Feldern tummeln sich einfache Arbeiter - klassische Klientel der traditionellen Linken also. Trotzdem glaubt Teresa Rodríguez an ihre Chance. Sie twitterte: "Diejenigen, die dieses Land kennen, wissen dass wir es nicht nur können, sondern müssen."

Quelle: n-tv.de

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