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"Haben Recht auf Reparationen" Polen will die Deutschen zur Kasse bitten

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Krzysztof Zieniewicz trägt eine Mütze voller Abzeichen und Symbole während einer Gedenkveranstaltung auf dem "Platz der Helden" in Slubice.

picture alliance / Patrick Pleul

In der Debatte um die Zahlung von Kriegsreparationen macht die rechtsnationale Regierung Polens Ernst: Ministerpräsidentin Szydlo kündigt an, eine konkrete Forderung an Deutschland vorzubereiten. Auch eine Summe steht schon fest: 840 Milliarden Euro.

Polen bereitet nach Worten von Ministerpräsidentin Beata Szydlo eine Forderung an Deutschland zur Zahlung von Kriegsreparationen vor. "Die polnische Regierung wird ihre Position in der Reparationsfrage offiziell vorlegen, sobald die politische Entscheidung dafür getroffen ist", sagte die rechtsnationalistische Politikerin dem Radiosender RMF FM.

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Beata Szydlo.

(Foto: imago/Pacific Press Agency)

"Polen hat das Recht auf Reparationen, und der polnische Staat hat das Recht, sie einzufordern", sagte Szydlo. Ihre Regierung wolle dabei den Dialog mit Berlin suchen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Ministerpräsidentin anlässlich des 78. Jahrestags des Beginns des Zweiten Weltkrieges an die Zerstörung und Bestialität des deutschen Angriffs erinnert.

"Polen wurde völlig zerstört und ausgeraubt, Warschau dem Erdboden gleichgemacht", sagte sie. Man müsse daran erinnern, wer Opfer und wer Henker gewesen sei. Der Vorsitzende der rechtsnationalen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, hatte die neue Debatte über Reparationsforderungen Polens an Deutschland Ende Juli angestoßen. Er warf Deutschland vor, sich seiner Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg zu entziehen.

Reparationsfrage ist "kompliziert"

Außenminister Witold Waszczykowski bezifferte die Forderungen vergangene Woche auf etwa 840 Milliarden Euro, wobei er auch eine Höhe von einer Billion Euro für denkbar erklärte. Waszczykowski räumte dabei ein, dass die Reparationsfrage rechtlich kompliziert sei. Denn die kommunistische polnische Führung hatte 1953 ihren Verzicht auf deutsche Reparationen erklärt. Die PiS-Regierung stellt die Gültigkeit dieser Erklärung jedoch in Frage und argumentiert, die damalige Führung habe auf sowjetischen Druck hin gehandelt.

Dem widerspricht die Bundesregierung. "Es gibt aus Sicht der Bundesregierung keinen Anlass, an der völkerrechtlichen Wirksamkeit des Reparationsverzichts von 1953 zu zweifeln. Damit ist aus unserer Sicht diese Frage rechtlich abschließend geregelt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Deutschland habe bereits Entschädigungen in erheblichem Umfang geleistet.

Am frühen Morgen des 1. September 1939 hatte ein deutsches Kriegsschiff das Feuer auf ein polnisches Munitionslager auf der Westerplatte eröffnet. Dieses Ereignis gilt als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Etwa zur gleichen Zeit begann die Bombardierung der Stadt Wielun. Während des gesamten Krieges starben offiziellen Angaben zufolge rund sechs Millionen Polen.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/AFP/DJ

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