Politik

Stauffenberg-Attentat auf Hitler Politiker streiten über Gedenkort

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Das Gelöbnis fand in diesem Jahr im Hof des Bendlerblocks statt.

(Foto: Reuters)

Am 20. Juli 1944 verübte Carl Graf Schenk von Stauffenberg ein Attentat auf Adolf Hitler - und scheiterte. 68 Jahre später streiten sich in Berlin Politiker und Bundeswehrangehörige darum, welcher Ort der richtige ist, um den Widerstand gegen das Nazi-Regime zu würdigen: das Reichstagsgelände oder das Verteidigungsministerium.

Für die Erinnerung an den erfolglosen Widerstand der Stauffenberg-Gruppe gegen das nationalsozialistische Regime ist das Gelände des Berliner Bendlerblocks, auf dem sich heute das Bundesverteidigungsministerium befindet, von besonderer Symbolik. Noch am Abend ihres gescheiterten Staatsstreichs wurden Stauffenberg und seine Mitstreiter im Hof des Bendlerblocks erschossen.

Es ist auch der Ort, an dem zum diesjährigen Jubiläum des Umsturzversuches die Bundesregierung mit einer Feierstunde an die ermordeten Attentäter erinnerte. Bundesratspräsident Horst Seehofer legt einen Kranz im Innenhof des Bendlerblocks nieder, rund 400 Soldaten der Bundeswehr treten zum traditionellen Gelöbnis an und legen ihren Eid ab.

Verlegung der Zeremonie sorgt für Kritik

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Nach dem Attentat: Hermann Göring und Martin Bormann begutachten die Zerstörung im Führerhauptquartier Rastenburg.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Zeremonie hatte zuvor für Kritik gesorgt. Seit der Errichtung des Ehrenmals der Bundeswehr im Jahr 2008 hatte die Tradition des feierlichen Gelöbnisses auf dem Platz vor dem Reichstagsgebäude stattgefunden. Jetzt sollen die Soldaten ihre Gelöbnisse im jährlichen Wechsel vor dem Reichstag und im Verteidigungsministerium abhalten.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus kritisierte die Verlegung der Gedenkveranstaltung: "Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee und kein Ministerialheer", sagt er der Zeitung "Die Welt". Auch der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold hält die Entscheidung, die Zeremonie im Bendlerblock abzuhalten, für falsch: "Die Veranstaltung gehört vor das Parlament, es gibt keinen besseren Platz, an dem so symbolträchtige und wirksame Bilder entstehen."

Orte "abwechselnd in den Mittelpunkt stellen"

Im Gespräch mit der "Welt" schlug der CDU-Verteidigungspolitiker Ernst-Reinhard Beck vor, das feierliche Gelöbnis der Bundeswehr-Rekruten vom Gedenken an den 20. Juli zu trennen. Zwar sei das Stauffenberg-Gedenken im Bendlerblock "schon am richtigen Ort", sagte er der Zeitung. "Aber das Gelöbnis muss ja nicht unbedingt an diesem Tag sein." Besser wäre es, die Veranstaltung auf August oder September zu stattfinden zu lassen - vor dem Reichstag.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière wies beide Kritikpunkte zurück. "Der Platz am Bendlerblock zwischen Verteidigungsministerium und Ehrenmal steht dafür, wie die Bundeswehr geführt wird, wie die Einsätze geführt werden und welche Folgen das haben kann." Am Ehrenmal werde an die gefallenen Soldaten erinnert. "Das eine betrachtet das 'ob', das andere das 'wie_. Und das abwechselnd in den Mittelpunkt zu stellen, finde ich sehr gut", sagte de Maizière."Der 20. Juli war militärisch eine Niederlage, moralisch ein großer Sieg. In diese Tradition stellen wir uns bewusst und gerne."

Quelle: n-tv.de, dpa