Politik

71 Jahre nach Kriegsende Prozess gegen früheren SS-Sanitäter eröffnet

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Dem Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen.

(Foto: dpa)

Zweimal platzte die Eröffnung der Verhandlung - nun kann im Beisein von Ex-SS-Sanitäter Hubert Z. die Anklage verlesen werden. Der heute 95-Jährige soll Beihilfe zum Mord von 3681 Menschen im Vernichtungslager Auschwitz geleistet haben.

Nach zwei vergeblichen Anläufen hat vor dem Landgericht Neubrandenburg der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Mann begonnen, der 1944 als Sanitäter im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau tätig war. Die Staatsanwaltschaft warf dem 95-jährigen Hubert Z. laut einem Gerichtssprecher Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen vor. Weiterhin nahm demnach ein Gutachter zur langfristigen Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten Stellung. Ein eigenes Urteil darüber will sich die Strafkammer erst später bilden.

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Der ehemalige SS-Sanitäter Hubert Z. mit seinem Anwalt Peter-Michael Diestel (r.).

(Foto: dpa)

Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Landarbeiter aus einem Dorf in der Nähe von Neubrandenburg vor, während seines Einsatzes in Auschwitz-Birkenau gewusst zu haben, dass dort Menschen systematisch getötet wurden. Er habe sich in den Betrieb des Lagers "unterstützend eingefügt".

Der Angeklagte wurde als SS-Mann bereits Ende der 40er Jahre von einem polnischen Gericht zu vier Jahren Haft verurteilt, die er auch verbüßte. Gegenstand des Verfahrens war nach Angaben der Verteidigung jedoch eine frühere Einsatzzeit in Auschwitz-Birkenau.

Im Rollstuhl vor Gericht

Das Landgericht Neubrandenburg hatte ursprünglich die Hauptverhandlung nicht eröffnen wollen, weil der Angeklagte dement sein soll. Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft und nach einer weiteren ärztlichen Untersuchung ordnete das Oberlandesgericht jedoch an, den Prozess doch zu führen.

Zu zwei Verhandlungsterminen Ende Februar und im März war Z. aus gesundheitlichen Gründen nicht erschienen. Nun kam er, geschoben von einem seiner vier Söhne, im Rollstuhl in den Gerichtssaal. Der Prozess soll am kommenden Montag fortgesetzt werden. Das Gericht will zunächst über zwei Anträge der Nebenkläger sowie der Staatsanwaltschaft entscheiden. Beide wollen, dass der Vorsitzende Richter für befangen erklärt wird.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP

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