Politik

Staatsbesuch im Nato-Land Putin landet in der Türkei

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Viel zu bereden: Auf hellblauem Teppich schreiten die beiden Staatschefs Erdogan und Putin eine Ehrenformation des türkischen Wachbataillons ab.

(Foto: AP)

Großer Empfang am Flughafen von Ankara: Der türkische Präsident empfängt hohen Besuch aus Russland. Kremlchef Putin reist an, um mit Erdogan über gegensätzliche Positionen im Syrienkrieg zu beraten - und über das geplante Atomkraftwerk Akkuyu.

Der russische Staatschef Wladimir Putin ist zu einem zweitägigen Besuch in der türkischen Hauptstadt Ankara eingetroffen. Dort wollte er zunächst Gespräche mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan führen. Dabei dürfte der Bürgerkrieg in Syrien eine zentrale Rolle spielen. Am Mittwoch will der iranische Staatschef Hassan Rohani zu den Gesprächen dazustoßen. Beobachter gehen davon aus, dass die drei Regionalmächte dabei auch über eine Aufteilung der Interessenssphären in Syrien und dem Mittleren Osten sprechen.

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Kurze Ansprache im Ehrenhof von Erdogans Präsidentenpalast: Wladimir Putin.

(Foto: AP)

Erdogan empfing seinen Besucher aus Russland mit militärischen Ehren im Präsidentenpalast. Vor Beginn der eigentlichen Gespräche wandten sich Putin und Erdogan jedoch zunächst per Video-Schaltung einer Großbaustelle im Süden des Landes zu: Am Standort Akkuyu in der südlichen Provinz Mersin soll das erste Atomkraftwerk der Türkei entstehen. Die beiden Staatschefs gaben symbolisch den Startschuss für den Baubeginn. Die Anlage wird vom staatlichen russischen Konzern Rosatom errichtet.

Atommeiler am Mittelmeer

Erdogan würdigte das russisch-türkische Projekt als "historischen" Moment in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Putin sagte: "Heute wohnen wir nicht nur dem Bau des ersten türkischen Atomkraftwerkes bei, sondern wir schaffen auch die Grundlage für die Atomindustrie in der Türkei. Wir gründen eine neue Branche." Vor dem türkischen Parlament protestierte eine Gruppe Atomkraftgegner gegen den Bau. Umweltschützer kritisieren das Projekt seit langem und verweisen unter anderem auf die Erdbebengefahr in der Region.

Die Baukosten für das AKW werden auf 20 Milliarden US-Dollar (rund 16,2 Milliarden Euro) geschätzt. Bereits im April 2015 war der Grundstein gelegt worden. Der erste der vier Reaktoren soll 2023 in Betrieb gehen, 2025 soll das Kraftwerk mit voller Auslastung am Netz sein. Erdogan würdigte Atomkraftwerke als "saubere Energiequelle." Weiter sagte er: "Daher wird dieses Kraftwerk zu unserer Energiesicherheit beitragen und gleichzeitig eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen."

Gegner im Syrienkrieg

Abgesehen von dem Export russischer Nukleartechnik haben Putin und Erdogan eine Reihe heikler Themen zu besprechen. Geopolitisch etwa stehen Russland und die Türkei auf verschiedenen Seiten: Im Syrien-Krieg unterstützt Ankara Rebellen, Moskau dagegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Immer wieder kommen sich die beiden Schutzmächte im Syrienkrieg in die Quere: Vor knapp zweieinhalb Jahren drohte kurzzeitig sogar eine direkte Konfrontation zwischen Russland und dem Nato-Mitglied Türkei, als ein türkischer Abfangjäger einen russischen Jagdbomber über dem syrisch-türkischen Grenzgebiet abschoss.

In den vergangenen Jahren bemühten sich beide Seiten allerdings um eine Annäherung. Die türkische Regierung ließ etwa ihre Geheimdienstbeziehungen spielen, um die Leiche eines in Syrien gefallenen russischen Kampfpiloten aus dem Rebellengebiet nach Moskau zu überführen. Mittlerweile sind beide Staaten auch mit eigenen Bodentruppen auf syrischem Territorium aktiv.

Zusammen mit dem Iran hatten die Türkei und Russland vergangenes Jahr Verhandlungen zur Beendigung des Syrien-Konflikts im kasachischen Astana initiiert. Der Einfluss der drei Länder in Syrien könnte demnächst weiter wachsen: US-Präsident Donald Trump hatte Ende vergangener Woche in einer Rede ein baldiges Ende des Syrien-Einsatzes der US-Armee angekündigt.

Ankara rückt näher an den Kreml heran

Wie nah sich Russland und die Türkei mittlerweile stehen, zeigt ein weiteres Detail am Rande: Ankara beteiligte sich nicht an der Ausweisung russischer Diplomaten aus mehr als 20 Ländern als Reaktion auf den Kampfstoffanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien. London macht Moskau für den Mordversuch verantwortlich, der Kreml weist die Vorwürfe zurück.

Russen und Türken sind wirtschaftlich eng miteinander verbunden: Die Türkei profitiert unter anderem von Einnahmen aus dem russischen Tourismus, Russland wiederum durch Rüstungsaufträge aus der Türkei - wie etwa beim Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400. Daneben planen beide Staaten den Bau einer Gaspipeline, durch die russisches Erdgas in den Süden fließen soll. Das Projekt Turkstream, das das aufgegebene Großvorhaben South Stream ersetzen sollen, führt quer durchs Schwarze Meer.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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