Politik

Mitten in Berlin Regierung will Nordkorea-Hostel stoppen

78fcba0ed3e4903468054982f59daf16.jpg

Das "City Hostel Berlin" befindet sich gleich neben der nordkoreanischen Botschaft in Berlin-Mitte.

(Foto: REUTERS)

Finanzieren einfache Touristen das nordkoreanische Atomprogramm? Das Land betreibt mitten in Berlin ein Hostel, berichten mehrere Medien. So flössen jeden Monat 38.000 Euro nach Pjöngjang. Die Bundesregierung ist alarmiert.

Im Schaukasten am Eingang zur Botschaft Nordkoreas in Berlin ist die Welt in Ordnung: Fotos einer Augenklinik oder eines Pionierpalastes sollen die Errungenschaften des kommunistischen Landes zeigen, der "hochverehrte Oberste Führer, Genosse Kim Jong Un", winkt im feinen Zwirn Parteitagsdelegierten zu. Doch tatsächlich herrschen Unterdrückung und Mangel in dem abgeschotteten Land, das die Welt mit seinem Atomprogramm provoziert und wegen umfassender Wirtschaftssanktionen dringend Devisen braucht.

Wie Kim & Co die erwirtschaften, zeigt sich gleich neben dem Schaukasten. Das Cityhostel Berlin ist ein ebenso schmuckloser Betonklotz aus sozialistischen Zeiten wie das Botschaftsgebäude. Und das kommt nicht von ungefähr: Einst war er Teil der Botschaft in Ostberlin. Doch seit Jahren schon verpachten die Nordkoreaner die Immobilie und ein Kongresszentrum, wie "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR meldeten.

Demnach überweist angeblich allein der Hostelbetreiber für sein Haus in bester Innenstadtlage nahe Gendarmenmarkt und Potsdamer Platz, das preiswerte Übernachtungen anbietet, monatlich 38.000 Euro nach Pjöngjang. "Wir haben dazu keine Informationen", sagt ein Mitarbeiter. Von der Geschäftsführung äußert sich niemand dazu, auch die Botschaft schweigt. Die Bundesregierung will nun handeln und dem offenbar einträglichen Geschäft ein Ende bereiten. Denn seit der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen Nordkorea nach einem Atomtest im November verschärfte, sind solche Aktivitäten von Diplomaten illegal.

Auswärtiges Amt will Finanzquellen austrocknen

"Die permanenten nuklearen Drohgebärden der nordkoreanischen Regierung machen uns große Sorgen", sagt der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Markus Ederer. "Wir werden den Druck erhöhen müssen, um Nordkorea an den Verhandlungstisch zurück zu bringen." Das gehe vor allem durch konsequente Durchsetzung von Sanktionen. "Dabei ist insbesondere wichtig, dass wir die Finanzquellen des Nuklearprogramms noch konsequenter austrocknen."

Ungeachtet internationaler Proteste treibt die nordkoreanische Führung ihr Atomprogramm voran und entwickelt Raketen, die neben Südkorea und Japan auch die US-Küste erreichen könnten. Zuletzt hatte sich der Konflikt zugespitzt, US-Präsident Donald Trump drohte mit Alleingängen und schloss auch einen Militärschlag nicht aus. Während sich Nordkorea also als hochgerüstete Atommacht präsentiert und "Führer" Kim an seinem "Paradies des Volkes" baut, haben dort 25 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Als Folge der Atom- und Raketentests ist das Land durch internationale Sanktionen weitgehend vom weltweiten Handels- und Finanzsystem abgeschnitten. Trotzdem schafft es Pjöngjang mit diversen Methoden, Sanktionen zu umgehen und sich im Ausland Devisen, westliche Produkte und Luxusgüter zu beschaffen. Diplomaten sind dabei eine Säule. Daher dürfte der Fall in Berlin kein Einzelfall sein.

Diplomaten organisieren Devisen

"Es ist das Geschäftsmodell der Botschaften, dass sie Devisen aus unterschiedlichen Quellen eintreiben", sagt ein Insider in Berlin, der namentlich nicht in Erscheinung treten will. "Diplomaten, Gesandtschaften und Handelsvertreter der Volksrepublik" spielten eine Schlüsselrolle bei verbotenen Verkaufs-, Anschaffungs- und Finanzaktivitäten und der Logistik, schrieb ein Expertengremium im Februar in einem Bericht für den UN-Sicherheitsrat. Sie handeln demnach etwa mit verbotenen Mineralien. Vor zwei Jahren wurden 27 Kilogramm Gold im Gepäck eines nordkoreanischen Diplomaten am Flughafen in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka sichergestellt. Im Januar dieses Jahres stellte der Zoll in Bangladesch ein falsch registriertes Luxusauto sicher, das ein nordkoreanischer Diplomat weiterverkaufen wollte. Auch Restaurants gelten als wichtige Einnahmequelle. Südkorea nimmt an, dass Nordkorea mehr als 100 davon in etwa einem Dutzend Ländern betreibt.

Wie es nun mit dem Berliner Hostel weitergeht, ist unklar. Die zuständigen Behörden leiteten die "notwendigen Schritte" ein, kündigte Staatssekretär Ederer an. Gleich mehrere Bundesministerien sind in den Fall involviert, dem Vernehmen nach kommen zunächst Bußgelder in Frage. Ob die tatsächlich ziehen, bleibt abzuwarten. 2012 wurde Nordkoreas Botschafter an der Havel in Berlin-Spandau beim unerlaubten Angeln ertappt und auf seinen Rechtsverstoß hingewiesen. Im Polizeibericht dazu hieß es: "Dieses nahm der Botschafter wohlwollend und lächelnd zur Kenntnis und setzte die Straftat fort."

Quelle: ntv.de, Stefan Kruse und Dirk Godder, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen