Politik

Homosexualität, Alkohol und Gewalt Rom lässt Mixa fallen

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Der Papst hatte keine andere Wahl. Er musste Mixa fallen lassen.

(Foto: dpa)

Um Bischof Walter Mixa wird es einsam. Nachdem er wegen Prügel-Vorwürfen unter Druck geraten war, kommen weitere Einzelheiten ans Licht. Ihm werden homosexuelle Neigungen nachgesagt. Berichtet wird über private Saunabesuche mit jungen Männern, sexuellen Missbrauch eines Jugendlichen und Alkoholproblemen. Rom hatte keine Wahl.

Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen. Mixa hatte im April um die Entbindung von seinem Amt gebeten, nachdem er wegen Prügel-Vorwürfen unter Druck geraten war. Zuletzt wurde gegen ihn zudem der Verdacht des sexuellen Missbrauchs an einem Minderjährigen laut. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßte die Entscheidung des Papstes.

"Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Der dadurch erlittene Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. "Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit. Sie gibt allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang."

Ein Alkoholproblem?

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Walter Mixa ist von seinem Amt als Bischof von Augsburg entbunden.

(Foto: dpa)

Das Bistum Augsburg bestätigte, es habe die gegen Mixa erhobenen Vorwürfe vergangene Woche dem Generalstaatsanwalt in München zur Kenntnis gebracht. Zollitsch bezeichnete dies "in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz" ausdrücklich als richtig. Zollitsch und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx waren Zeitungsberichten zufolge vor wenigen Tagen zu Mixa in eine Schweizer Klinik gereist, um ihn von Zweifeln an seinem Rücktrittsgesuch abzubringen. Nach Informationen aus Kirchenkreisen lässt sich Mixa im Moment in der Klinik wegen eines angeblichen Alkoholproblems behandeln.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" nahm die Entscheidung des Papstes "mit Erleichterung" zur Kenntnis. "Um den durch das lange Taktieren von Bischof Mixa entstandenen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus nicht noch zu vergrößern, bleibt es notwendig, alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufzuklären", teilte die Gruppe mit.

Gemeinsame Saunagänge?

Das Magazin "Der Spiegel" berichtete, Mixa solle in seiner Zeit als Eichstätter Bischof häufig junge Seminaristen in seine Privaträume im Bischofshaus eingeladen und mit ihnen gemeinsame Saunabesuche unternommen haben. Dem Kleriker seien homosexuelle Neigungen nachgesagt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf Kirchenkreise weiter. Dem Magazin zufolge wies sein Anwalt die Vorwürfe "mit aller Entschiedenheit" zurück. Mixa war von 1996 bis 2005 Bischof von Eichstätt, danach wurde er Bischof in Augsburg.

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt hatte am Freitag bestätigt, dass sie Vorermittlungen gegen Mixa eingeleitet habe. Laut "Augsburger Allgemeiner" ging es um den Vorwurf, Mixa habe als Eichstätter Bischof einen Jungen missbraucht. Der Anwalt des Bischofs wies diese Anschuldigung ebenfalls zurück.

Im April hatte Mixa nach anfänglichem Leugnen zugegeben, in seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Kinder geschlagen zu haben. Während der Kirchenmann von Ohrfeigen oder "Watschen" sprach, werfen ihm ehemalige Heimkinder vor, er habe sie teilweise mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen. Der strikte Abtreibungsgegner stand wegen seiner sehr konservativen Ansichten häufig in der politischen Kritik.

Quelle: ntv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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