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Rebellen und türkische Truppen, die gegen den IS kämpfen, stoßen in der Region von al-Bab auf heftigen Widerstand.
Rebellen und türkische Truppen, die gegen den IS kämpfen, stoßen in der Region von al-Bab auf heftigen Widerstand.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 18. Januar 2017

IS-Stellungen bombardiert: Russen und Türken greifen gemeinsam an

2015 schießt das türkische Militär einen russischen Jet ab, die beiden Staaten stehen kurz vor einer Konfrontation in Syrien. Doch nun kämpfen sie gemeinsam gegen den IS. Der geht derweil in die Offensive gegen die Regimetruppen.

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Russland und die Türkei haben nach Angaben aus Moskau erstmals gemeinsam Luftangriffe im Syrienkrieg geflogen. An dem Einsatz bei der Ortschaft Al-Bab in der Provinz Aleppo beteiligten sich neun russische und acht türkische Kampfflugzeuge, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Dabei seien 36 Ziele bombardiert worden, sagte Sergej Rudskoj vom russischen Generalstab der Agentur Interfax zufolge. Seinen Angaben zufolge richtete sich der Einsatz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat.

Russland unterstützt die syrische Armee im Kampf gegen Rebellen seit September 2015 mit Luftangriffen. Die Türkei hatte 2015 einen russischen Kampfjet im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen und damit eine tiefe Krise zwischen Ankara und Moskau ausgelöst. Seit der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Juni 2016 sein Bedauern über den Abschuss geäußert hatte, nähern sich beide Seiten wieder an.

In den vergangenen Tagen hatte es in der Region um Al-Bab bereits Luftangriffe der US-geführten Anti-IS-Koalition gegeben. Ziele waren unter anderem Fahrzeuge und eine taktische Einheit des IS. Al-Bab ist eine Hochburg der Extremisten. Die Türkei bekämpft den IS in Syrien seit August auch am Boden, die Rückeroberung von Al-Bab gestaltet sich aber als schwierig.

Die Türkei hatte die USA zuletzt immer wieder um mehr Unterstützung in Al-Bab gebeten. Bislang beschränkte sich die Hilfe aber vor allem auf Aufklärungs- und Überwachungsflüge. Die USA sind in der schwierigen Position, dass sie zwar Ankara im Kampf gegen den IS helfen, jedoch verhindern wollen, dass die türkischen Truppen kurdische Kämpfer in der Region angreifen. Diese kämpfen dort ebenfalls gegen den IS.

Bericht über Exekutionen

Schwere Kämpfe gab es auch In Deir Essor zwischen syrischen Regierungstruppen und dem IS. Wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, legten IS-Kämpfer große Feuer, um Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe zu stören. Seit Samstag läuft in Deir Essor im Osten des Landes eine Offensive des IS, der den Teil der Stadt erobern will, der unter Kontrolle der Regierungstruppen steht.

Der Beobachtungsstelle zufolge zündeten die Dschihadisten am Mittwoch Reifen und Ölfässer an, um die Sicht für Kampfflugzeuge zu erschweren. Wie aus Militärkreisen verlautete, flogen russische und syrische Maschinen unaufhörlich Angriffe auf die Stadt.

Einem örtlichen Aktivisten zufolge exekutierte der IS außerdem mindestens zehn regierungstreue Kämpfer in Deir Essor, die während der Kämpfe gefangengenommen worden waren. Seinen Angaben zufolge überrollten sie die Gefangenen mit Panzern. "Wenn der IS die Bezirke erobert, die noch in den Händen der Regierungstruppen sind, wird es ein Massaker geben", sagte der Aktivist. "Das beunruhigt uns sehr."

Der IS und andere dschihadistische Gruppen sind von der Waffenruhe ausgenommen, die Russland und die Türkei Ende Dezember für Syrien ausgehandelt hatten. Für kommende Woche in der Ex-Sowjetrepublik Kasachstan geplante Syriengespräche werden von Russland und der Türkei vermittelt.

Quelle: n-tv.de