Politik

"Haben ehrenhaft gearbeitet" Russland begnadigt Sträflinge nach Ukraine-Einsatz

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Die freigelassenen Männer sollen von der Gesellschaft mit "mit dem tiefsten Respekt behandelt werden", mahnt Prigoschin.

(Foto: IMAGO/SNA)

Auch Häftlinge rekrutiert die Söldnergruppe Wagner für den Einsatz in der Ukraine. Nach sechs Monaten Kriegsdienst werden nun die ersten Männer begnadigt und freigelassen. "Trinken Sie nicht viel zu viel, nehmen Sie keine Drogen, vergewaltigen Sie keine Frauen", rät ihnen Wagner-Chef Prigoschin.

Eine erste Gruppe russischer Sträflinge ist dem Chef der Söldnergruppe Wagner zufolge nach dem Kampfeinsatz in der Ukraine begnadigt und freigelassen worden. "Sie haben Ihren Vertrag erfüllt. Sie haben ehrenhaft gearbeitet, mit Würde", sagte Jewgeni Prigoschin in einem von der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti verbreiteten Video. Darauf ist zu sehen, wie Prigoschin zu einer Gruppe teils verletzter Männer spricht, deren Gesichter nur verschwommen zu sehen sind.

Die Ex-Häftlinge sollten von der Gesellschaft nach dem Abschluss ihres sechsmonatigen Vertrags "mit dem tiefsten Respekt behandelt werden", fordert der Geschäftsmann Prigoschin im Video vor den Männern. "Trinken Sie nicht viel zu viel, nehmen Sie keine Drogen, vergewaltigen Sie keine Frauen, machen Sie keine Dummheiten", ist der Kreml-Vertraute weiter zu hören. Sie hätten viel gelernt, in erster Linie, den Feind zu töten. "Ich will aber auf gar keinen Fall, dass ihr diese Errungenschaft auf verbotenem Gebiet einsetzt. Wenn ihr wieder Feinde töten wollt, kommt ihr zurück."

Die Söldnergruppe bestand ursprünglich aus kampferprobten früheren Soldaten der russischen Armee. Sie hat bereits in Libyen, Syrien, Mali gekämpft. In der Ukraine stehen die Kämpfer an vorderster Front, vor allem im Kampf um die Stadt Bachmut, die die russischen Streitkräfte seit dem Sommer erfolglos einzunehmen versuchen. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine am 24. Februar hat Prigoschin auch Tausende Männer in russischen Gefängnissen rekrutiert, die nach ihrem sechsmonatigen Einsatz in der Ukraine freigelassen werden sollten.

Gefängnis oder Krieg

Im September war ein Video aufgetaucht, in dem ein Prigoschin sehr ähnlich aussehender, glatzköpfiger Mann Inhaftierten in einem Gefängnishof Verträge für einen Kampfeinsatz in der Ukraine mit abschreckenden Bedingungen anbietet. "Wenn Sie in der Ukraine ankommen und entscheiden, dass es nichts für Sie ist, werden wir das als Fahnenflucht betrachten und Sie erschießen", sagt er im Video und führt fort: "Noch Fragen, Jungs?"

Auch befiehlt der Glatzköpfige den Männern, sich nicht zu ergeben und erklärt, für den Fall einer Gefangennahme hätten sie Granaten dabei. "Wenn Sie sterben, wird Ihr Leichnam an den Ort rückgeführt, den Sie auf das Formular geschrieben haben", fügt er hinzu.

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Es war nicht möglich, zu verifizieren, ob es sich bei dem Mann im Video um Prigoschin handelt. Sein Unternehmen Concord bestritt dies aber zumindest nicht. Der Konzern zitierte ihn mit den Worten: "Wenn ich ein Häftling wäre, würde ich natürlich davon träumen, dieser freundlichen Gruppe beizutreten, um meine Schuld gegenüber dem Vaterland nicht nur zu tilgen, sondern sie mit Zins zurückzuzahlen."

US-Insidern zufolge wendet sich der russische Präsident Wladimir Putin angesichts der militärischen Schwierigkeiten in der Ukraine zunehmend an die Wagner-Gruppe. Deren Einfluss nehme zu. Wagner kapsele sich immer mehr vom russischen Verteidigungsministerium ab. Wegen seines umfangreichen Cateringgeschäfts wird Wagner-Chef Prigoschin auch Putins Chefkoch genannt. Die USA stufen ihn als Oligarchen ein und haben ihn wegen der Verbreitung von Falschinformationen sowie Einmischung in US-Wahlen mit Sanktionen belegt.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP/rts

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