Politik

Wie reagiert Großbritannien? Russland lässt Ultimatum verstreichen

Der Nervengift-Anschlag auf einen Ex-Spion in England zieht immer weitere Kreise: Die russische Regierung lässt ein Ultimatum für eine Stellungnahme verstreichen - nun wartet die Welt darauf, wie die britische Premierministerin reagieren wird.

Russland hat die von der britischen Premierministerin Theresa May gesetzte Frist für eine Stellungnahme im Fall des Nervengift-Anschlags auf einen Ex-Spion in England verstreichen lassen. "Russland wird auf Londons Ultimatum nicht antworten, bis es Proben der chemischen Substanz erhält", sagte ein Sprecher der russischen Botschaft in London der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Mittwoch. Russland sei in das Attentat nicht verwickelt. Sollte es Strafmaßnahmen gegen Russland geben, werde darauf reagiert. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums lehnte eine Stellungnahme ab.

Der 66-jährige Ex-Spion Sergej Skripal und seine 33-jährige Tochter waren am 4. März vor einem Einkaufszentrum in der südenglischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einer Klinik um ihr Leben. Bei dem Anschlag wurde nach britischen Angaben ein Mittel aus der Gruppe der Nowitschok-Nervengifte eingesetzt, die das sowjetische Militär in den 70er und 80er Jahren entwickelt habe.

"Russland ist nicht schuldig"

May hat erklärt, Russland sei "sehr wahrscheinlich" für die Vergiftung verantwortlich. Entweder sei die Führung in Moskau bei der Attacke federführend gewesen oder habe zugelassen, dass das Gift in andere Hände gelangt sei. Sie hatte Russland eine Frist für eine Stellungnahme bis Mitternacht Londoner Zeit (01.00 Uhr Mittwoch MEZ) gesetzt. Im Laufe des Tages soll in London einem Sprecher Mays zufolge der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommen, um das weitere Vorgehen zu erörtern. Die Premierministerin hat Russland mit "noch weit drastischeren" Maßnahmen gegen Russland gedroht, als es sie bereits gebe.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte indes: "Russland ist nicht schuldig." Er forderte einen kompletten Zugang zu den Ermittlungen und zu den verdächtigen Proben, um eine eigene Analyse der verdächtigen Substanz vorzunehmen. Moskau habe bereits eine offizielle Anfrage dazu gestellt. Russland sei bereit, mit Großbritannien auf der Ebene der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) zusammenzuarbeiten, sagte Lawrow. Russland hat nach eigener Darstellung alle Chemiewaffen zwischen 2002 und 2017 vernichtet. Die OPCW habe dies bezeugt, teilte das Industrieministerium in Moskau mit.

Unklar ist, welche Sanktionen Großbritannien plant. May hat damit gedroht, keine Regierungsvertreter zur Fußball-Weltmeisterschaft zu schicken. Britische Medien wie die "Times" halten eine Cyberattacke auf den Kreml für möglich. Oder werden Diplomaten ausgewiesen? Finanzielle Maßnahmen gegen Oligarchen, die Immobilien in London besitzen, seien ebenfalls denkbar, heißt es.

Quelle: n-tv.de, jve/rts/dpa

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