"Er ist gegen den Krieg"SPD-Kollege Stegner lobt Schröders Besuch bei Putin

Altkanzler Schröder feiert am Mittwoch in Moskau mit Wladimir Putin dessen Geburtstag. SPD-Kollege Stegner kann daran nichts Verwerfliches erkennen, im Gegenteil: "Zur Wahrheit gehört doch: Schröder ist einer der wenigen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin haben."
Der SPD-Außenpolitiker und Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner hat den Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder beim russischen Präsidenten Wladimir Putin verteidigt. "Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort", sagte Stegner t-online. "Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist." Dafür sei die Lage zu ernst.
"Denn zur Wahrheit gehört doch: Schröder ist einer der wenigen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin haben", sagte Stegner weiter. "Als Sozialdemokrat wird er Putin sagen, dass er den Krieg beenden soll. Wenn sein Besuch nur einen Millimeter nützt, um einem Waffenstillstand in der Ukraine näherzukommen, kann ich daran nichts Falsches finden."
"Gerhard Schröder ist gegen den Krieg", ergänzt Stegner im Berliner "Tagesspiegel". Schröder werde Putin bestimmt nicht ermuntert haben: "'Mach weiter mit dem Krieg!'", sagte Stegner: "Wir müssen in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen."
Der Altkanzler war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Am Mittwoch feierte er dem Kreml zufolge mit Putin dessen 74. Geburtstag: "Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein", teilte der Kreml bei Telegram mit. Die russische Staatszentrale veröffentlichte zu der Mitteilung Fotos, die zeigen, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.
"Eine Schande sondergleichen"
Der Besuch rief massive Kritik am Altkanzler hervor. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezeichnete Schröder auf X als "Deutschlands frechsten Rentner". Die FDP-Politikerin fügte hinzu: "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reicht's dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."
Stegner selbst zählt zu einer Gruppe von Sozialdemokraten, die seit Jahren zu wenige diplomatische Anstrengungen beklagt und eine zurückhaltendere Position bei Waffenlieferungen für die Ukraine vertritt. Er fordert Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten und drängt wie Putin darauf, Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg einzusetzen.
"Zu der Frage, ob Gerhard Schröder eine Vermittlungsrolle im Ukraine-Krieg spielen könnte, gilt: Es gibt einen Unterschied zwischen einem aktiven Verhandlungsführer und Vermittler", sagte Stegner bei t-online. "Als Vermittler ist Zugang die wichtigste Voraussetzung. Den hat Schröder."