Politik

Müller im "ntv Frühstart" SPD lehnt Reiseverbot derzeit ab

Der Wirtschaftsrat der CDU fordert ein Verbot für Reisen in Corona-Risikoländer. Das geht dem Regierenden Bürgermeister von Berlin einen Schritt zu weit. Die Testpflicht begrüßt Michael Müller allerdings.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, sieht derzeit noch keinen Bedarf für ein Reiseverbot in Corona-Risikoländer. "Jetzt ein Reiseverbot durchzusetzen, das sehe ich nicht", sagte der SPD-Politiker im "ntv Frühstart".

Der Wirtschaftsrat der CDU hatte ein generelles Reiseverbot für Risikogebiete gefordert. Das Arbeits- und Schulleben ein zweites Mal wegen hoher Neuinfektionszahlen herunterzufahren, könne sich die Bundesrepublik "nur unter erheblichsten Schwierigkeiten noch mal leisten", sagte Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des CDU-nahen Verbands, der "Bild"-Zeitung. "Deshalb erwarte ich von der Politik mehr vorausschauendes Handeln als jetzt bei der schon lange erwartbaren Rückreisewelle aus den Ferien."

Müller sagte dazu, ein solches Reiseverbot könne nur ein letzter Schritt sein. "Ich sehe nicht, dass man sich darauf wirklich jetzt schon verabreden kann. Wir haben ja, trotz der steigenden Zahlen, immer noch eine relativ entspannte Situation in Deutschland."

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingeführte Testpflicht für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten ab Samstag, begrüßte Müller hingegen. "Ja, das ist schon wichtig. Es ist ein weiterer Baustein. Es gibt uns wieder ein Stück mehr Sicherheit." Man habe an Berliner Flughäfen bereits Erfahrungen mit freiwilligen Kontrollen gemacht und gesehen, dass es bei "etlichen Tausend Getesteten" auch Infektionsfälle gegeben habe und dass man diese "sofort isolieren und darauf reagieren" könne.

"Kuriose Situation mit Kevin Kühnert"

Auch zu seiner persönlichen Zukunft äußerte sich Müller. Der scheidende Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hatte angekündigt, für den Bundestag zu kandidieren - und zwar im Wahlkreis von Michael Müller, Tempelhof-Schöneberg. Ob Müller ebenfalls in diesem Wahlkreis für den Bundestag kandidieren will, ließ er offen, sagte aber: "Das werden wir in den nächsten Tagen gemeinsam in der Partei erörtern, wie das laufen wird." Weiter sagte Müller: "Mit Kevin Kühnert und mir ist wirklich eine kuriose Situation eingetreten, weil wir beide durch und durch aus diesem Heimatbezirk Tempelhof-Schöneberg kommen." Dieser Wahlkreis sei für beide "ein Stück Heimat" und "irgendwie muss man sich dann auch einigen".

Müller bezeichnete Kühnert als "gut" und "schlau". Es sei wichtig, dass es immer eine "gesunde Mischung" aus den "Erfahreneren und den Jungen" in der Partei gebe.

Schulstart in Berlin am Montag

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Mit Blick auf den Schulstart in Berlin an diesem Montag wies Müller die Kritik des Berliner Landeselternausschusses zurück, das Hygienekonzept von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sei erst spät an die Schulen übermittelt worden. "Ich glaube, das, was man machen kann in einem Schulbetrieb mit Hunderttausenden Schülerinnen und Schülern, das haben wir auch gemacht", so Müller.

Allerdings sagte der Regierende Bürgermeister auch, dass man in den nächsten Monaten womöglich "nachsteuern" müsse, insbesondere mit Blick auf den Winter. Die zuständigen Professorinnen und Professoren der Berliner Charité hätten bereits gewarnt: "Ihr müsst euch darauf einstellen, dass wenn wir wieder zurückgehen in die Räume, die Fenster zumachen, nicht mehr so gut durchlüften, werden Zahlen nach oben gehen." Mit der Technischen Universität habe man sich deshalb bereits Belüftungssysteme angeschaut, damit auch in geschlossenen Räumen ein Luftaustausch möglich sei und "wir hoffentlich dann auch auf diese Situation besser reagieren können".

Quelle: ntv.de, psa