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21 Tote bei Luftangriff im Jemen Saudi-Arabien bombardiert erneut Hochzeit

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Die jemenitische Hauptstadt Sanaa nach einem Luftangriff im April.

(Foto: imago/Xinhua)

Mit der Hilfe des Westens bombardiert ein saudisch geführtes Militärbündnis seit 2015 den Jemen. Binnen drei Jahren kommen im bitterarmen Land Tausende Zivilisten ums Leben. Nun sterben bei einem Luftangriff weitere Menschen, Gäste einer Hochzeit.

Bei einem Luftangriff der saudisch geführten Militärkoalition auf eine Hochzeit im Bürgerkriegsland Jemen sind nach Behördenangaben zufolge mindestens 21 Menschen getötet worden. 57 weitere Personen seien bei dem Angriff nordwestlich der Hauptstadt Sanaa verletzt worden, sagte ein Leiter des örtlichen Gesundheitsdienstes. Das Gesundheitsministerium hatte zuvor ähnliche Opferzahlen veröffentlicht. Bereits am Sonntag hatte medizinisches Personal berichtet, dass Kampfjets des saudischen Bündnisses zwei Bombardements auf die Feier in der Provinz Hadscha am Roten Meer ausgeführt hätten. Die Militärkoalition in Riad äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

Das Gesundheitsministerium wird von den Huthi-Rebellen kontrolliert. Das saudische Bündnis unterstützt die international anerkannte Regierung des Landes in ihrem Kampf gegen die Huthis, die weite Teile im Norden kontrollieren, darunter die Hauptstadt Sanaa. Seit mehr als drei Jahren fliegt die Koalition Angriffe auf Stellungen der Aufständischen. Dabei kamen immer wieder auch viele Zivilisten ums Leben, weil Hochzeiten, Trauerfeiern oder Märkte angegriffen wurden. Seit der Eskalation des Konfliktes 2015 sind insgesamt mehr als 10.000 Menschen getötet worden, darunter Tausende Zivilisten.

Die Rettungsmaßnahmen nach dem Angriff am Sonntag gestalteten sich schwierig: Den Angaben zufolge seien auch am Montag immer noch Kampfjets über das Gebiet geflogen. Dies behindere die Helfer, weil sie Angst vor einer erneuten Attacke hätten. Gesundheitsdirektor Madhkur zufolge befanden sich auch Stunden nach dem Bombardement noch immer Opfer unter den Trümmern.

Rüstungsexporte aus Deutschland

Die Bundesregierung unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemen. Im ersten Quartal 2018 war Saudi-Arabien trotz der führenden Rolle im Jemen-Krieg Hauptempfängerland für Rüstungsexporte aus Deutschland. Konkret ging es um die Lieferung von acht Patrouillenbooten an das Königreich.

Union und SPD hatten sich in den Koalitionsverhandlungen auf einen Exportstopp für alle Länder verständigt, die "unmittelbar" am Jemen-Krieg beteiligt sind. Es wurde aber ein Bestandsschutz für bereits erteilte Vorgenehmigungen in den Koalitionsvertrag eingebaut. In wesentlich größerem Umfang verkaufen die USA und Großbritannien Waffen an Riad. Dabei geht es auch um Bomben und Raketen.

Menschenrechtsorganisationen hatten zudem zuletzt Strafanzeige gegen die italienische Tochterfirma des deutschen Waffenkonzerns Rheinmetall gestellt. Kritisiert werden vor allem Waffenexporte nach Saudi-Arabien. In dem konkreten Fall geht es um die Bombardierung eines Ortes im Nordwesten des Jemen im Oktober 2016. Am Tatort wurden Bombenteile gefunden, die laut Menschenrechtsorganisationen von RWM Italia auf Sardinien produziert worden sein sollen.

Auch wegen der Luftangriffe auf das bitterarme Land auf der arabischen Halbinsel gilt der Konflikt im Jemen als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sind vielerorts zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Mehr als 22 Millionen sind laut UN auf humanitäre Hilfe angewiesen. Seuchen wie Cholera und Diphtherie sind ausgebrochen.

Quelle: n-tv.de, uzh/dpa

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