Politik

Reaktion auf Gabriel-Äußerungen Saudi-Arabien zieht Botschafter aus Berlin ab

909d4b9ce12dd102f834c6380cea8e73.jpg

Der libanesische Ex-Premier Saad Hariri (l.) bei einem Treffen mit dem saudi-arabischen König Salman ibn Abd al-Aziz am 6. November.

(Foto: dpa)

Noch immer ist unklar, warum Libanons Premier Hariri zurückgetreten ist. Weil Bundesaußenminister Gabriel Saudi-Arabien für die Situation mitverantwortlich macht, ruft das Königreich nun seinen Botschafter aus Berlin zurück. Hariri ist derweil auf dem Weg nach Paris.

Diplomatischer Eklat zwischen Deutschland und Saudi-Arabien: Nach kritischen Aussagen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel ruft das Königreich seinen Botschafter aus Berlin zurück. Wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA mitteilte, beorderte das Königreich seinen diplomatischen Vertreter für "Konsultationen" nach Riad. Auch werde dem deutschen Botschafter in Saudi-Arabien eine Protestnote überreicht.

*Datenschutz

Unter anderem angesichts der Spekulationen um das Schicksal des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri hatte Gabriel am Donnerstag gesagt, "dass gemeinsam aus Europa das Signal kommen muss, dass wir das Abenteurertum, was sich in den letzten Monaten dort breit gemacht hat, nicht mehr bereit sind, einfach sprachlos hinzunehmen". Dies sagte er beim Besuch seines libanesischen Kollegen Dschibran Bassil in Berlin. Nach der humanitären Krise durch den Krieg im Jemen und dem Konflikt mit dem Golfemirat Katar sei mit der Art und Weise, "wie mit dem Libanon umgegangen wird", nun die Spitze erreicht.

Unterdessen gab Hariri ein Lebenszeichen von sich. Offenbar steht er in Riad nach eigenen Angaben kurz vor der Ausreise. Er richtete eine Nachricht auf Twitter direkt an Gabriel: "Zu sagen, dass ich in Saudi-Arabien festgehalten werde und es mir nicht erlaubt sei, das Land zu verlassen, ist eine Lüge. Ich bin auf dem Weg zum Flughafen, Herr Sigmar Gabriel".

Treffen mit Macron geplant

Der 47-Järige hatte am 4. November völlig überraschend von Riad aus seinen Rücktritt erklärt, wobei er schwere Vorwürfe gegen die proiranische Hisbollah-Bewegung erhob, mit der er eine Koalitionsregierung gebildet hatte. Seit der Rücktrittserklärung hatte Hariri die Golfregion nicht verlassen. Deshalb gibt es Spekulationen, Saudi-Arabien habe seinen Rückzug erzwungen und ihn festgehalten, um im Libanon Spannungen mit der einflussreichen Schiitenmiliz Hisbollah zu erzeugen. Schutzmacht der Hisbollah ist der Iran, der mit Saudi-Arabien um Einfluss in der Region ringt.

Hariri soll mit seiner Familie nach Paris fliegen und am Samstagmittag den französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen. Es ist unter anderem ein gemeinsames Essen geplant. Es blieb zunächst unklar, wie lange Hariri in Frankreich bleiben wird. Seine erwartete Rückkehr nach Beirut wird als Voraussetzung für die Lösung der politischen Krise gesehen, die er mit seiner Erklärung in seiner Heimat ausgelöst hatte.

Quelle: n-tv.de, cri/dpa/AFP

Mehr zum Thema