Politik

Klingbeil hat gute Chancen Scholz will nicht SPD-Parteichef werden

Mit Norbert Walter-Borjans konkurrierte Olaf Scholz noch um den Parteivorsitz. Inzwischen hat er keine Ambitionen mehr, an die Spitze der Sozialdemokraten zu rücken. Das ist ganz im Sinne des bisherigen SPD-Chefs. Tritt nun Lars Klingbeil in dessen Fußstapfen?

Der geschäftsführende Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat deutlich gemacht, dass er nicht Nachfolger von SPD-Chef Norbert Walter-Borjans werden will. Die SPD werde gemeinsam entscheiden, wie es an der Parteispitze weitergehe, "das ist keine schwierige Aufgabe", sagte Scholz am Rande von Beratungen der großen Industrieländer (G20) in Rom. "Klar ist aber auch, dass ich mich auf das konzentriere, wofür ich von den Bürgerinnen und Bürgern einen Auftrag bekommen habe, nämlich eine Regierung zu bilden. Und der nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden." Auf die Nachfrage, ob dies bedeute, dass er nicht SPD-Chef werden wolle, sagte Scholz: "Das war sehr klar ausgedrückt."

Walter-Borjans sei ein guter Freund, sagte Scholz und betonte: "Wir haben alle eng zusammengearbeitet, um hier möglich zu machen, dass die SPD einen Wahlerfolg erreicht. Und das ist gelungen. Für uns alle ist das etwas ganz, ganz Besonderes."

Walter-Borjans war 2019 gemeinsam mit Saskia Esken als Sieger einer aufwändigen Kandidatenkür hervorgegangen. Planmäßig neu gewählt wird bei einem dreitägigen Parteitag vom 10. bis 12. Dezember. Unklar ist, ob Esken erneut kandidieren wird. Spekuliert wird, dass sie ein Ministeramt in der angestrebten Ampel-Koalition übernehmen will. Ihrem Co-Vorsitzenden dankte die 60-Jährige "für den Mut und die Kraft, dieses Abenteuer in Angriff genommen zu haben", wie sie auf Twitter schrieb. "Die SPD ist wieder da, und sie ist stark." Sie und Walter-Borjans könnten "mit Stolz auf unsere Wegstrecke zurückblicken. Die SPD ist geeint wie lange nicht."

Als ein aussichtsreicher Kandidat für den SPD-Vorsitz wird vor allem Generalsekretär Lars Klingbeil gehandelt. Der 43-Jährige gilt als einer der Väter des Erfolgs der SPD bei der Bundestagswahl. Walter-Borjans wollte sich nicht zu seiner Nachfolge äußern. Er sei aber dagegen, dass die Parteiführung in ein neues Kabinett gehe. "Ein Regierungsmitglied als Parteichefin oder Parteichef ist notwendigerweise immer ein Stück Regierungssprecher", sagte er. Die bisherige Arbeitsteilung - Parteivorsitz auf der einen und Regierungsamt auf der anderen Seite - habe sich bewährt.

Scholz dankte Walter-Borjans per Twitter "für das große Engagement, die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die Unterstützung in den letzten beiden Jahren". Scholz war bei Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz mit der Abgeordneten Klara Geywitz angetreten. Dessen ungeachtet wurde der Vizekanzler zum Kanzlerkandidat der SPD gekürt. Der 63-Jährige steht nun kurz davor, die Nachfolge von Angela Merkel anzutreten.

Quelle: ntv.de, chl/mbe/dpa/rts/AFP

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