Politik

An Morden in Syrien beteiligt Schweden wegen Enthauptungen verurteilt

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In Schweden ist ein schwieriger Prozess zu Ende gegangen. Zwei Schweden, die an einer Hinrichtung in Syrien beteiligt waren, müssen lebenslang in Haft.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Schweden werden erstmals zwei Bürger für Verbrechen in Syrien verurteilt. Die Justiz sieht es als erwiesen an, dass die beiden Männer an Enthauptungen in Aleppo beteiligt waren. Die Verurteilten sehen das allerdings anders.

Ein schwedisches Gericht hat zwei Männer wegen der Beteiligung an Morden in Syrien zu lebenslanger Haft verurteilt. Die beiden Schweden im Alter von 30 und 32 Jahren hätten terroristische Verbrechen begangen, hieß es in dem Beschluss des Bezirksgerichtes Göteborg.

Die Männer sollen im Frühjahr 2013 an der Enthauptung von zwei Menschen in der Metropole Aleppo beteiligt gewesen sein. Die Anklage hatte sich auf einen Datenträger mit Filmen von Tötungen gestützt, der in der Wohnung des 30-jährigen Verurteilten gefunden worden war. In den Aufnahmen seien sie gemeinsam mit anderen Maskierten bei einer Exekution zu sehen. Zwei der Opfer sei die Kehle durchschnitten worden.

"Sie haben nicht das Messer geführt, waren aber in hohem Grad in die Tat einbezogen", erklärte die Staatsanwaltschaft. Im Anschluss äußern sich die beiden Männer in dem Video auf Schwedisch und zeigen ihre Freude nach den Morden. Das Gericht warf den beiden Verurteilten vor, die Befehlsgewalt bei den Taten gehabt zu haben. Die Hinrichtungen seien als Warnung an die Bevölkerung in Syrien gemeint gewesen, nicht von der "richtigen, muslimischen Lehre" abzuweichen.

Die Verurteilten kündigten Berufung an

Die Verurteilten hatten die Vorwürfe nach Gerichtsangaben bestritten. Nun wollen sie gegen das Urteil Berufung einlegen. Der 30-jährige Verurteilte gab an, 2013 im Rahmen eines Hilfseinsatzes in Syrien und in der Türkei gewesen zu sein. Das Gericht sieht es jedoch als erwiesen an, dass die Männer der Gruppierung Dschaisch Al-Muhadschirin wal-Ansar ("Armee der Einwanderer und Unterstützer") angehören, die für ein eigenes Kalifat kämpft. Sie soll zeitweise mit dem IS verbündet gewesen sein.

Zu der Tätergruppe auf dem Film gehörten offenbar mehrere Schweden, die bislang nicht identifiziert werden konnten. Um wen es sich bei den beiden Getöteten handelte, konnte die schwedische Justiz allerdings nicht herausfinden. Nach Angaben der schwedischen Polizei haben sich seit 2012 rund 280 Schweden terroristischen Organisationen in Syrien oder im Irak angeschlossen. Rund 115 seien bisher zurückgekommen.

Der Terrorexperte Peder Hyllengren sagte dem schwedischen Fernsehen SVT nach der Urteilsverkündung: "Es war eine historische Herausforderung für Schweden, mit Dschihadisten umzugehen, die terroristische Straftaten im Ausland begangen haben." Das Urteil könne einen abschreckenden Effekt haben.

Quelle: ntv.de, kpi/AFP/dpa/rts