Politik

Nach blutiger Razzia in Genua Schwere Vorwürfe gegen Polizei

Das Auswärtige Amt geht Berichten über Rechtsverstöße der italienischen Polizei am Rande des G-8-Gipfels in Genua nach. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag in Berlin mit. Weitere Entlassungen würden erwartet.

Unterdessen sind 52 der 67 in Genua inhaftierten Deutschen wieder auf freiem Fuß. Vier der Freigelassenen befinden sich noch im Krankenhaus. Die meisten waren nach den den richterlichen Untersuchungen entlassen worden. 15 Deutsche befinden sich weiter in Untersuchunghaft.

Der Grünen-Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele erhob nach Besuchen bei Inhaftierten und Verletzten in Genua schwere Vorwürfe gegen die italienische Polizei. Die Berichte der Betroffenen wiesen auf "ein unglaubliches Vorgehen der italienischen Sicherheitskräfte bei den Protesten gegen den G-8-Gipfel in Genua hin". Auch wenn es bei den Demonstrationen zu Straftaten gekommen sei, könne dies nicht "Reaktionen wie den Überfall auf die Diaz-Schule rechtfertigen".

Die Schule war als Schlafplatz für die Teilnehmer am Genua Social Forum, der Gegenveranstaltung zum G-8-Gipfel, bereitgestellt worden. In der Nacht zum Sonntag führte die Polizei dort eine Razzia durch, bei der 50 Personen zum Teil schwer verletzt wurden.

Nach übereinstimmenden Berichten aller Betroffenen und zahlreicher Augenzeugen hätten die von der Polizei Angegriffenen keinen Widerstand geleistet. Dennoch seien sie so stark geschlagen und getreten worden, dass viele schwerste Verletzungen erlitten hätten, erklärten Ströbele und seine Fraktionskollegin Annelie Buntenbach in Genua.

Außenministerium nimmt Bericht "sehr ernst"

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, es seien Gespräche mit allen deutschen Inhaftierten geführt worden. Die Berichte über die Vorgänge in der Schule würden sehr ernst genommen. "Wir gehen dem nach und werden, wenn wir ein umfassendes Bild haben, gegebenenfalls mit den italienischen Behörden sprechen."

Ströbele sagte dem "FAZ"-Rundfunksender, noch in der Polizeistation seien "Misshandlungen vorgenommen worden, die mich in den Schilderungen an Argentinien während der Militärdiktatur erinnert haben". Er forderte eine Untersuchung der Vorgänge durch eine unabhängige internationale Kommission. Die italienische Regierung lehnte diese Forderung inwischen ab.

Quelle: ntv.de