Politik

Datendiebstahl durch Hacker Seehofer will Öffentlichkeit bald informieren

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Innenminister Seehofer erfuhr erst am Freitag von dem massiven Datendiebstahl.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch sind im Fall der Veröffentlichung persönlicher Daten Hunderter Betroffener viele Fragen offen. So ist weder klar, wer hinter dem Hackerangriff steckt, noch steht fest, wie der oder die Täter an die Daten gelangten. Innenminister Seehofer verspricht Aufklärung.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat im Fall des Hackerangriffs auf Daten von Politikern und Prominenten volle Transparenz zugesagt. "Die Öffentlichkeit wird alles erfahren, was ich weiß", sagte Seehofer der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings wolle er "die Bevölkerung nur mit belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen informieren".

Die von Koalitionspartner SPD und aus der Opposition erhobene Forderung, er müsse sich um die Aufklärung kümmern, wies Seehofer als überflüssig zurück. "Das ist eine Selbstverständlichkeit, aber es entspricht auch meinem Amtsverständnis, erst die Erkenntnisse zu sammeln und die Verantwortlichen anzuhören", sagte der CSU-Politiker.

Der Diebstahl persönlicher Daten Hunderter deutscher Politiker und Prominenter, darunter zahlreiche Handynummern, und deren Veröffentlichung im Internet waren am Freitag öffentlich bekannt geworden. Links zu den Datensätzen wurden über einen mittlerweile gesperrten Account bei Twitter verbreitet.

Seehofer sagte, er persönlich habe am Freitagmorgen von den Vorgängen erfahren. "Vorher: Null." Seither habe es bereits eine ganze Serie von ihm initiierter Gespräche zur Aufklärung des Falles gegeben. Am Montag wird sich Seehofer nach eigenen Angaben noch einmal mit dem Präsidenten des Bundesamtes für IT-Sicherheit (BSI), Arne Schönbohm, und dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, zusammensetzen. Der Minister rechnet damit, die Öffentlichkeit "spätestens Mitte der Woche ausführlich zu informieren".

Musste NSA helfen?

Das BSI sieht sich derzeit Vorwürfen ausgesetzt, dass die Behörde erst spät auf die vor Weihnachten angelaufene unbefugte Veröffentlichung der personenbezogenen Daten aufmerksam geworden war. Bislang ist nicht bekannt, ob der Urheber durch das Eindringen in Computernetze an die Daten gelangte.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, baten deutsche Sicherheitsbehörden den amerikanischen Auslandsgeheimdienst NSA um Hilfe bei der Sperrung der Twitter-Accounts, auf dem unter anderem die sensiblen Daten veröffentlicht wurden. Das Blatt beruft sich auf Informationen aus Sicherheitskreisen und vermutet hinter dem Vorgang eine Verunsicherung auf deutscher Seite, das Anliegen bei Twitter ohne US-Intervention auch durchsetzen zu können. Offenbar seien zudem US-Bürger von dem Hackerangriff betroffen, da die Leaks Chat-Verläufe einiger Politiker mit Personen aus aller Welt beinhalteten.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind allerdings nur etwa 50 von fast 1000 Fällen schwerwiegender. Nach bisherigem Stand seien 994 Personen betroffen, vor allem aktive und ehemalige Mandatsträger. Bei 940 Fällen gehe es aber lediglich um die Veröffentlichung von Kontaktdaten, hieß es. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil hier größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenzen veröffentlicht wurden. Diese Fälle seien nun besonders im Fokus der Ermittlungen.

Ermittler arbeiten "mit Hochdruck"

Die Untersuchungen zum Datenklau werden einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zufolge "mit Hochdruck geführt". Aus ermittlungstaktischen Gründen würden derzeit aber keine weiteren Angaben zu dem Verfahren gemacht, das die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft zusammen mit dem Bundeskriminalamt führt, sagte ein Behördensprecher. "Wir werden die Medien informieren, sobald der Stand der Ermittlungen dies zulässt."

Bei der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft ist die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) angesiedelt. Sie dient örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften und der Polizei als Ansprechpartner in allen Fällen der Computer- und Internetkriminalität. In Einzelfällen kann sie als Task-Force Verfahren mit Internetbezug aus allen Bereichen des Strafrechts mit besonders hohen Anforderungen an die technische Beweisführung übernehmen.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa/rts